Einer is(s)t glücklich. Zwei dürfen sich beschweren. Fair ist fair.

Ich habe ein Problem. Okay. Zugegeben, ich hab sicher mehrere. Aber eines, das mich im Moment besonders beschäftigt, betrifft die Ernährungsgewohnheiten meiner Jüngsten. Also, hier von Ernährungsgewohnheiten zu sprechen, wenn es sich um eine Zweijährige handelt, ist sicher nicht ganz korrekt. Vermutlich müsste es die bevorzugten Ernährungsweisen heißen, aber wer nimmt das schon so genau.

Es geht auf alle Fälle um Folgendes: Mein Kind isst mit Vorliebe Fleisch bzw. stark gewürzte Wurst. Hört sich ja jetzt gar nicht so schlimm an. Aber wenn ein kleines Mädchen den ganzen Tag am liebsten die dicksten Cabanossis und Salami essen würde und das meiste andere vehement verweigert, wird es schon schwieriger. Unlängst waren wir zu Gast am Grundlsee. Mädimausi und ihren Fleischtick fanden alle süß. Bis sie den anderen sieben Anwesenden beim Frühstück auch noch den Rest des ganzen Aufschnittes weggefuttert hat.

Denn kaum war die Salami weg, kam gnädiger Weise der Schinken dran. Semmel oder Brot wurde nur unter Androhung von absolutem Fleischverbot gegessen. Und auch nur wenig. Im gekochten Zustand werden ebenfalls alle Beilagen und Gemüsesorten verweigert. Zum Glück isst sie im Rohzustand Gemüse und Obst. Also bekommt die Jüngste dann zu Mittag einen Teller mit Fleisch und Rohkost. Sogar Nudeln werden abgelehnt. Außer ich ertränke sie in Sauce Bolognese, sodass sie nicht auffallen. Trennkost der Extraklasse.

Was ich auf meine alten Tage noch so alles lernen kann. Nun hab ich ein anderes Mädchen, das beinahe alles isst. Beinahe. Und eines, das sich am liebsten von Nudeln pur und Süßem ernähren würde. Wäre ich eine leidenschaftliche Köchin, würde mich das vermutlich an den Rand des Wahnsinns treiben und ich wäre mit meinem Latein schnell am Ende. Zum Glück kann ich nur mäßig kochen und bei Latein komme ich schon zu einem Ende, bevor ich überhaupt angefangen habe. Es gibt eben ab jetzt jeden Tag für eine etwas, das sie gerne isst und zwei dürfen sich lauthals beschweren. Fair ist Fair. Und irgendwann hört man die Beschwerden ohnehin nicht mehr und machen im Ohr nur noch ein kleines leises Fipsen aus.

Und ich? Ich musste mit Entsetzen feststellen, dass ich nicht einmal mehr so genau weiß, was ich gerne esse. Als ich unlängst von einer Freundin in ein vornehmes Restaurant ohne Kinder zum Essen ausgeführt wurde und ich somit nicht das obligatorische Schnitzel mit Pommes der Kleinen oder die Reste der Großen verspeiste, war ich restlos überfordert. Bei jeder Speise fragte ich mich, als würde ich sie zum ersten Mal hören, ob ich sie denn mochte. Nach 10 Jahren Kinderessen hatte ich keine Ahnung mehr von meinen Essenswünschen. Ich wählte Fisch. Und ich kann jetzt zumindest sagen: Ich mag Fisch, sogar ohne Panier und in nicht gepresster Form.

Illustration: Susanne Binder

„Piepsiiiiiiiiii“

Alvas Glitzerschuhbande

Beim dritten Kind merke ich, dass ich doch eine gewisse Routine und Erfahrung in die Kindererziehung mit einbringe. Aber in vielen Bereichen, so scheint mir, kommt dann doch die individuelle Art des Kindes so stark raus, dass ich mich mit meiner „Erfahrung“ brausen gehen kann. Und Kind Nr. 3 bietet da einen besonderen Pool an unerwarteten Charaktereigenschaften, die sich in mir in nicht nach zu vollziehbaren Handlungen darbieten.

Kind Nr. 1 wollte von sich aus mit zwei Jahren keine Windel mehr. Wir versuchten es und es klappte. Bei Kind Nr. 2 verhielt es sich ähnlich. Kind Nr. 3 hab ich, weil sie auch immer ankündigt, wenn sie „Piepsi“ muss, überredet doch die Windel gegen eine Unterhose auszutauschen. Funktionierte wunderbar. Sie gab mir bei jedem „Piepsi“ Bescheid und ich rannte mit ihr aufs Klo. Anfangs fand sie das auch noch irrsinnig lustig. Irgendwann jedoch während dem Lego spielen mit ihren Schwestern brüllte sie wieder „Piiiiiepsi“ und ich kam gelaufen, um mit ihr auf die Toilette zu sprinten. Sie sah mich mit großen Augen an und sagte: „Aufs Klo? Da war ich doch schon so oft.“

Meine verwunderte Antwort folgte rasch: „Ja, Schatzi, du gehst jetzt immer aufs Klo, wenn du „Piepsi“ musst.“ Sie verzog nachdenklich den Mund. Dachte nach, dann erhellte sich ihr Gesicht und sie stellte strahlend fest: „ Dann gib mir doch wieder die Windel, damit ich spielen kann und nicht so oft aufs Klo gehen muss.“
Ich lachte. Also zu faul um ständig beim Spielen unterbrochen zu werden. Gut.

Mittlerweile handhaben wir es je nach Bedarf. Und irgendwann wird das schon. Hoffe ich. Denn diesem Kind meinen Willen auch nur nahe zu legen, hat in vielen Situationen so gar keinen Sinn. Ich wünschte mir nach Kind Nr. 1 und Nr. 2 ein zusätzliches sehr autonomes Kind. Das hab ich. Sie will alles alleine machen. Toll bei den Socken und Schuhen. Unmöglich beim „Roller die Stiegen runter tragen“ und ganz schlimm unter Zeitdruck.

Wenn man dann im Vorzimmer steht und die Versuche, die kleine Schlaufe der Schuhe in das vorgesehene Loch zu manövrieren, unkommentiert und ohne Hilfe anzubieten, beobachten muss, dann ist das mitunter ein sehr nervenaufreibendes Unterfangen.

Auch die Schwestern dürfen nicht helfen. Denn der Wutausbruch „ich kann das alleine“ ist gefürchtet „waldaus waldein“. Manchmal platzt mir aber doch der Kragen und ich trage dann unter Zeitdruck ein brüllendes Kind zum Auto, dass mir, Dank den gelegentlich gehörten Sätzen der großen Schwestern, wenn sie miteinander streiten, ins Ohr brüllt: „Ich will dich nicht mehr sehen. Du Trottelkopf.“

Meine beiden Großen waren selten so energisch und meist sehr leicht zu beschwichtigen. Dieses Kind zeigt mir neue Möglichkeiten auf, mich in meiner „Mitte zu finden“ und „Gelassenheit zu erlangen“. Wenn sie dann mit dieser trotzigen Art nicht den gewünschten Erfolg erzielt, dann schaut sie mich verschmitzt an und sagt Sachen wie: „Bitte liebste! Mama, darf ich noch ein wenig spielen?“ Was soll ich sagen. Sie ist einfach entzückend. Mit all ihren Facetten. Und als wir unlängst einkaufen waren, erhielt ich dann auch den alles entscheidenden Rat einer Frau an der Kassa, die das Spiel der Tochter, die schimpfend aus dem Wagerl aussteigen wollte und mir die Schweißperlen auf die Stirn trieb, beobachtete.

Sie sagte nämlich zu mir: „Wissen Sie, beim ersten Kind ist man da noch so schnell verzweifelt. Da müssen sie schnell noch eines kriegen, dann werden Sie wesentlich entspannter.“ Ahhhhhh so geht das!

Eeeecht jetzt?-Ja, echt jetzt….

Alvas Glitzerschuhbande

Mein Mann war unlängst eine Woche segeln. Die Kinder und ich vergönnten ihm das von Herzen, wollten aber ebenfalls ein paar Tage wegfahren. Da ich mit meinen Kinder schon des Öfteren allein und auch viel unterwegs war, sah ich darin kein Problem. Allerdings vergaß ich, dass das letzte Mal, als wir ein paar Tage unterwegs waren, die Kinder noch kleiner waren. Dieses Mal hatte ich eine Jüngste in dieser „was ist da drinnen, ich räum es mal aus“ und „ich will das aber“-Phase, eine Mittlere die „Ärgerphrasen“ à la „das darfst du nicht haben-ich hab es jetzt- Haha!“ drosch und die Große, die schon mal sicherheitshalber ein wenig vorpubertierte. Die Kombination war der Hammer.

Das Einpacken allein war schon Herausforderung genug. Fast wie in einem Bootcamp. Denn ich musste schnell sein, schnell denken und schnell handeln. Kleines Beispiel „Ich pack mal wieder alles aus und such was und lass es dann draußen“-Kind 1 (schnell sein). „Ha, ha, ich hab einen schöneren Bikini und zeig ihn dir nicht. Hol ihn dir. Haha.“-Kind 2 (schnell handeln, damit kein Streit entstand). „Das Shirt? Eeeeeecht jetzt? Das passt doch gar nicht zu der Hose. Und die Hose? Geht doch gar nicht.“-Kind 3 (schnell denken und irgendeinen Mist verzapfen, warum das Gewand perfekt zusammen passt).

Als ich dann alles im Auto hatte, war es um ungefähr 300 Kilo schwerer und ich um hoffentlich zwei Kilo leichter. Die Fahrt war dank „Bibi und Tina“ fast ein Ponyhof besser als Elsa, die zum zehnten Mal irgendwas „loslässt“.

Im Quartier angekommen, bat ich die Große, dass sie bitte auf die Kleinen schauen sollte. („Echt jetzt?-Ja, echt jetzt!“) Ich schleppte drei Koffer in das sehr große Zimmer und lief wieder zum Auto. Als ich mit den Rucksäcken und Rollern wieder im Zimmer angekommen war, waren alle drei Koffer bereits ausgepackt. Oder besser gesagt im Zimmer verteilt und in Häufchen drapiert. Denn Mädchen Nummer drei wollte wissen, wo denn ihr Kuscheltier versteckt war. Auf meine Frage warum die Große nicht aufgepasst hätte, kam ein: „Hab ich ja. Sie war so schnell und dann war es schon egal. („Echt jetzt?-Ja, echt jetzt!“). Ich räumte alles wieder ein und in der Zwischenzeit inspizierten die kleinen Zwei das Bad.
Lustig so eine Dusche ohne Duschvorhang. Bevor ich auch nur einen Koffer geordnet hatte, waren die frischen Handtücher frisch geduscht und die Kinder ebenfalls. Sie quietschten und brausten mich auch noch ab, bevor ich dem ein Ende bereiten konnte.

Ich scheuchte sie vor mir her auf den Balkon, der sich als Gemeinschaftsbalkon entpuppte. Treffender hätte ich mich nicht vorstellen können, als mit durchnässtem weißem! Shirt und zwei mittlerweile streitenden Kinder, gefolgt von einer Großen der „sooo langweilig“ war, dass sie das gleich dreimal erwähnen musste. Überrascht standen wir also einer essenden Gruppe Menschen gegenüber. Augenscheinlich kinderlosen Menschen auf der Suche nach Entspannung und Vergnügen! Hurra! Sie tranken viel und waren laut bis Mitternacht. Meine Jüngste dann wegen einem Ausschlag den Rest der Nacht. Ich fluchte bis zwölf, sie verfluchten mich sicher ab eins.

Meine Kinder blieben die vollen vier Tage in ihren Phasen, aber es war trotzdem richtig schön und lustig. Doch so richtig lachen musste ich, als ich vor der Haustür in Wien wieder ankam, die Kinder aus dem Auto ausstiegen und ich die drei Koffer, drei Rucksäcke, zwei Badetaschen, eine Lebensmitteltasche, drei Roller, eine Reisetasche und einen Schmutzwäschesack aus dem Auto hievte und meine Nachbarin mir dabei zuschaute und fragte: „Und? Hast dich erholen können?“

Genau genommen lache ich immer noch.

 

Illustration: Susanne Binder

Seid nett zu anderen Müttern, sonst müsst ihr basteln

Alvas Glitzerschuhbande

Meine Tochter wünschte sich zum Geburtstag etwas zum Basteln von ihren Mitschülerinnen. Ich gab bei der Frage der Mütter nach dem „was“ an, dass es bitte, bitte fertige Bastelsets sein sollten. Wo alles schon zugeschnitten, gelöchert und am besten auch noch angemalt ist. Einfach zum Zusammenkleben, möglichst auch mit mitgeliefertem Klebstoff. Also sozusagen deppensicher.

Denn meine Tochter hatte beim Basteln genauso viel Geduld wie ich. Keine.

Spätestens nach diesem Geburtstag hatte ich aber eines gelernt: Bastelset ist nicht gleich Bastelset. Und nur weil auf der Verpackung steht „einfach zusammenzustellen für Jung und Alt“ muss das nicht stimmen. Manchmal so denke ich hat der Typ, der den Produkttext geschrieben hat, das Produkt nicht einmal gesehen.

Eines dieser Produkte hat nun ein Kind meinem Kind bei der Geburstagsfeier geschenkt. Ein Plüschtier, dass man aus einer Socke nähen kann. Hört sich nicht so schwer an, geb ich zu. Aber alleine, dass die Anleitung 35 Punkte enthielt, hätte mich doch ein wenig stutzig machen können. Punkt eins: Man schneide aus der Socke das Tier (in unserem Fall ein Pferd) aus. Mit Beinen und Ohren. Schablone gab es keine dazu. Ein kleines Bild auf dem das Vorgegebene zu sehen war schon. Es war briefmarkengroß und verschwommen.

So und nun mach mal, liebe Mutter, denn das konnte ich meiner Tochter, die das Vieh genauso aussehen lassen wollte wie auf der Vorderseite abgebildet, natürlich nicht zumuten. Ich schnitt und was soll ich sagen, nichts davon war mehr zu retten.
Denn nun musste man das ganze verkehrt herum zusammennähen. Und es fehlte an Stoff. Nadel und Faden waren dabei. Immerhin. Beim Zusammennähen verschwanden die ausgeschnittenen Ohren. Ein ohrloses Tier. Vielleicht sollte ich ein Drehbuch darüber schreiben.

Mein Versuch das Kind mit einem nagelneuen gekauften Plüschtier zu bestechen, damit ich das Häufchen Knoten und dünner Socke wegschmeißen konnte, scheiterte. Denn „wir müssen das Pferd retten“ (zur Erinnerung: wir geben auch Steinen Namen und nehmen sie als Familienmitglieder auf)

Wir banden Ohren ab. In der Zwischenzeit ging die Naht des Körpers wieder auf, weil der Socken ein dermaßen dünner Stofffetzen war, dass man anscheinend winzige Stiche hätte nähen sollen. Ich war fix und fertig. Mein Kind auch. Das Tier sah immer mehr aus wie ein brauner Wurm, dafür mit Ohren und einem buschigen Schwanz, der aus Wollfäden bestand.

Auf der Packung stand ab 6. Ich denke das bezog sich auf die Personenanzahl die aller beteiligt sein müssten, damit das Tier so aussah wie es sollte. Das Kind möchte ich sehen, dass das ganze Gewurstel und die Millimeterarbeit alleine machen kann.

Also falls jemand so etwas kauft um die Tochter oder den Sohn eine Weile beschäftigt zu wissen, vergesst das sofort. Ihr werdet beschäftigt sein.

Als das Tier nach endlosen Stunden dann endlich fertig war, war mein Kind dennoch glücklich, dass wir das Pferd gemacht hatten. Aber wir reden von dem Kind, dass auch behauptet, dass der Pappentellerosterhase eine Seele hat und daher die nächsten 400 Ostern in unserem zu Hause stehen muss. Ich beschloss auf alle Fälle die anderen zwei Sockentiere, die wir noch geschenkt bekommen haben, verschwinden zu lassen und bei nächster Gelegenheit weiter zu verschenken. Aber nicht an die Kinder meiner Freundinnen. Die sind sonst die längste Zeit meine Freundinnen gewesen.

Also liebe Eltern der anderen Kinder, seid lieber nett zu mir. Und hütet euch davor beim nächsten Geburtstagsfest als Geschenketipp den Satz mit „etwas zum Basteln“ zu vollenden. Es könnte der Beginn eines sehr anstrengenden Nachmittages werden.

Unser neues Familienmitglied: Herbert der Stein

Alvas Glitzerschuhbande

Manchmal haben meine Kinder einen eigenartigen und für viele nicht nachvollziehbaren Zugang zu Gegenständen. Unlängst waren wir im Urlaub und am Strand haben sich Szenen abgespielt, dass einige Urlauber dachten, unsere Familie und die damit verbundenen Dialoge gehören zum Unterhaltungsprogramm des Hotels. Andere wiederum hätten mir vermutlich gerne, als wir den Strand verließen, Kärtchen von namhaften Kinderpsychologen zugesteckt.

Folgende Szene spielte sich ab:

Drei Kinder spielten am Stand. Die dazugehörigen Eltern, also wir, lagen auf einer Liege und folgten dem Geschehen. Auf einmal stürmten alle Kinder gleichzeitig auf uns zu und sprudelten los. Sie hätten einen Stein gefunden und der war wunderschön. Er gehörte bitte nur vollständig ausgegraben. Nach längerem Murren machte sich mein Mann auf den Weg, den Stein aus dem Sand zu befreien. Besser gesagt den Felsen. Denn das Stückchen, das meine Kinder gefunden hatten war nur ein kleiner Teil einer Ecke des riesengroßen Ungetüms. Mein Mann schleppte also einen Felsbrocken, der größer und schwerer war als unsere Kinder, in Richtung Liege. Er ließ ihn ein paar Meter neben unserem Sonnenplatz auf den Boden plumpsen. Mir war als spürte man ein kleines Erdbeben.

Die drei Mädchen jubelten begeistert und begannen mit dem Stein zu spielen. Sie dekorierten ihn mit Muscheln, wuschen ihn liebevoll und sangen für ihn Lieder. Dann tanzten sie um ihn herum.
Die Eltern eines entzückenden ungefähr vierjährigen Mädchen, die direkt neben mir eine Liege hatten, sahen erstaunt zu. Okay, das Ganze glich ein bisschen einem Hippietanz oder einem Hexenritual, aber süß waren meine drei.

Ich unterhielt mich in der Zwischenzeit recht angeregt mit meiner Liegenachbarin. Als meine Kinder dann irgendwann kamen und meinten, wir müssten den Stein mit ins Hotelzimmer, ja sogar mit nach Hause nehmen, denn er gehöre ab nun zur Familie, lächelte ich leicht verlegen und die andere Mutter lächelte ebenso verlegen und möglicherweise ein wenig irritiert zurück. Als meine Kinder zu ihrem neu ernannten Familienmitglied zurückliefen, merkte ich ironisch an, dass ich froh war, dass sie dem Stein noch keinen Namen gegeben hatten. Kannte ich doch meine Kinder.

Zwei Sekunden später tönte die Stimme meiner Ältesten zu mir: „ Wir müssen Herbert mitnehmen. Ohne uns ist er doch einsam.“ Unsere Liegenachbarn lachten amüsiert. Mein Mann und ich weniger. Der darauffolgende Dialog wurde von dem Ehepaar  ebenso wie von den restlichen Badegästen mit großem Interesse verfolgt. Ganz sicher waren sie sich vermutlich noch nicht, ob wir irre waren oder die Strandkomiker der Hotelanimateure. Es handelte sich um folgenden Dialog:

Ich: Bitte lass den Stein doch bei den anderen Steinen. Seinen Freunden.
Tochter: Nein, Herbert ist so einsam am Strand. Er möchte lieber mit uns kommen. Ins Kinderzimmer.
Ich: Aber Schatz, der ist viel zu groß. Den kriegen wir nicht einmal in den Kofferraum, ohne dass wir etwas anderes dalassen müssen.
Tochter: Das schaffen wir schon…wir rutschen eng zusammen….

So ging das eine ganze Weile, bis wir uns darauf einigten, Herbert den Stein zumindest an diesem Tag am Strand zu lassen und ihn, wenn überhaupt, kurz vor der Abfahrt holen würden.

Ich setzte daher in Richtung der anderen Menschen ein Siegerlächeln auf und wandte mich an meine Tochter, die gerade eine sandige Plastikflasche in der Hand hielt. Ich bat sie die Flasche doch bitte in den Mist zu werfen. Worauf sie mich mit schreckensgeweiteten Augen ansah und entrüstet rief: Aber das ist doch Holly!!!!

Als ich gerade knapp davor war, in Ohnmacht zu fallen, breitete sich ein freches Lächeln im Gesicht meiner Tochter aus und sie warf die Flasche unter Applaus unserer Liegenachbarn in den Mistkübel.

Zusatz: Wir haben den Stein nicht mitgenommen. Und meine wunderbare Tochter hat beim Heimfahren mit nachdenklichem Blick aus dem Fenster festgestellt: Ich denke, es ist jetzt Zeit, dass ich aufhören sollte, dass mir Steine leidtun. Oh nein, ein Stück Kind wird erwachsener!

 

Passwortdilemma

Alvas Glitzerschuhbande

Man glaubt ja gar nicht, wie viele Spannungsmomente so ein Frauendasein im Leben hat. Also zumindest meines. Einer davon ist, wenn ich bei irgendeiner Seite im Netz aufgefordert werde, mein Passwort zu nennen. Nun gibt es ja kluge Leute, die sich ihre Passwörter aufschreiben und den Zettel auch möglichst schnell parat haben. Ich gehöre leider nicht zu dazu.

Früher hielt ich mich für besonders schlau und gab immer und überall dasselbe Passwort ein. Sicherheit war mir egal. Sollte ruhig jemand meine Mails lesen. Die waren ja auch wirklich spektakulär.
Aber irgendwann wurde ich auf einer Seite angewiesen eine zusätzliche Zahl oder ein zusätzliches Sonderzeichen einzufügen. Und statt mir das ergänzte Passwort aufzuschreiben dachte ich mir, dass das Merken von den paar Zeichen ja nicht so schwer sein konnte.
Dieses Verhalten führte dazu, dass ich mich auf ein paar Seiten doppelt ja sogar dreifach registrierte, weil ich einfach nicht auf mein Passwort kam. Zur Info: dann bekommt man auch die Werbung doppelt und dreifach zugeschickt.

Auf anderen Seiten wiederum war ich sofort gesperrt. Ich schaffte es sogar, mit einem für mich „deppensicheren“ Passwort, mich dauerhaft von meinem einstigen Gmx – Account zu sperren. Weil ich in der Gewissheit das richtige Wort zu haben, diese ungefähr 300 Mal eingab. Bis heute glaub ich, dass ich recht hatte. Die angegebene Mailadresse, an die ein neues Passwort geschickt werden konnte, kannte ich nicht einmal mehr. Aber gesperrt ist gesperrt und niemand gibt einem eine neue Chance. Was blöd war, denn viele Rechnungen gingen nun an die gesperrte Adresse.

Fragte man mich zum Beispiel beim Telefonanbieter nach dem Passwort, bekam ich Schweißausbrüche. Und bei meiner ehemaligen Homepage brauchte ich zwischen den einzelnen Buchstaben Minuten, um mich bei der Eingabe weiter zu trauen.

So sperrte ich auch einmal meine Homepage. Und musste sie aber weiter zahlen. Das war mir dann doch eine Lehre. Und obwohl ich sicher 35 Passwörter im Rückstand war, begann ich mir die neuen aufzuschreiben. Gewissenhaft. Außer ich war unterwegs. Dann mit Lipliner auf ein Kaugummipapier. Oder mit Kugelschreiber auf die Hand. Selbsterklärend, dass ich den Übertrag der Wörter, Buchstaben und Sonderzeichen wieder vergaß.

Aber irgendwann, das nehme ich mir fest vor, leg ich mir einen Ordner zu. Und schreibe alle Passwörter rein.
Oder ich frag den Freund, der meine Passwörter irgendwie (und ich frag lieber nicht genau nach wie) schneller rausfinden kann, als ich mit rumprobieren. Man wird sehen. Ich hab jedenfalls bewiesen: ich bin in manchen Punkten lernresistet.

Wir haben seit kurzem MehrSchweinchen

Alvas Glitzerschuhbande

Nun hab ich mich also doch noch überreden lassen. Beziehungsweise mein Mann. Denn bis jetzt war er gegen jegliches Tier in unserem Haushalt und ich hatte die wunderbare Rolle der verstehenden Mutter, die ja gerne würde, aber der die Hände gebunden waren weil: „Ihr wisst ja, der Papa ist da strikt dagegen.“ Nun fand das Flehen der drei Mädchen (wobei die dritte keine Ahnung hatte, warum sie ständig: „Bitte mehr Schweinchen“ schreien musste) ein Ende und der Herr des Hauses gab sein Okay zu kleinen Nagetieren. Ich zuckte leicht zusammen, als mir meine Kinder diese freudige Mitteilung machten, wusste ich doch genau, jetzt musste ich gute Miene zum bösen Spiel machen. Und konnte nichts mehr auf den Papa schieben.

Also was sollte es werden? Mäuse mochte ich nicht. Hamster auch nicht. Hund und Katze hatte ich in meiner Kindheit, aber ich war halt vom Land. Kommt für mich in der Stadt nicht in Frage. Vögel wollten die Kinder nicht. Blieben nur mehr Meerschweinchen übrig. Die fand ich wenigstens auch ganz herzig.

Ich hab mich eingelesen und war anfangs etwas irritiert von der Tatsache, dass man diese Tierchen nur zu zweit halten durfte und wenn eines stirbt für das übrig gebliebene einen altersgemäß passenden Begleiter suchen sollte. Das heißt eines geht, eines kommt nach, dann geht das andere und ich musste wieder eines besorgen. Ja hatten denn dann die Meerschweinchenbesitzer bis ans Ende ihrer Tage solche Viecher? Oder bis alle beide auf einmal, zufällig gleichzeitig, am selben Tag abdankten? Aber es gab anscheinend ein paar Stellen, an die man sich wenden konnte und die dann das einzelne Schweinchen aufnehmen, wenn man nicht vorhat, diesen Kreislauf aufrecht zu erhalten.

Beruhigt widmete ich mich der Frage nach Käfig, Haltung, Zucht und Co.
Gebraucht fand ich dann einen Käfig, Häuschen, Futternäpfe, Tränken, Heuraufe und noch so einiges, das ich nicht kannte, bei einer Person. Der Preis war vernünftig, denn ich wollte auf kurz oder lang einen hübschen Holzkäfig finden oder bauen lassen, konnte meine Kinder aber nicht noch länger vertrösten. Und, so dachte ich, bis dahin tut es auch ein normaler Käfig.

Als wir uns zu fünft auf die Fahrt zu dem Käfigmenschen machten (denn auch die Transportbox bekamen wir von ihm, und wir wollten dann sogleich die Meerschweinchen holen) fragte mein Mann im Auto nach, ob ich mir die Maße in der Anzeige genau angeschaut hatte. Ich winkte ab und nuschelte: „Ja, klar, das Ding hat so ein normales Maß wie man es nehmen sollte.“ Es regnete und so huschte ich alleine schnell aus dem Auto in das Haus, wo der Mann mir die erstandene Ware übergeben sollte. Als ich im Vorzimmer, den überdimensionalen Käfig und die anderen tausend Sachen stehen sah, wurde mir a) sofort klar, dass ich meinen Mann aus dem Auto brauchte, um die Sachen zum Auto zu bringen und b) ich mir ziemlich sicher war, dass der Käfig mit uns allen im Auto keinen Platz hatte und c) ich sowas von der Gutmütigkeit meines Mannes abhängig war. Denn wäre ihm so etwas passiert, ich würde fragen ob er nicht in den Käfig einziehen wollte.

Mein Mann war aber überraschend cool, der Käfig wurde über den Köpfen der Kinder transportiert und wir holten die Meerschweinchen. Das ging schnell und unkompliziert und wir haben, soweit ich das bis jetzt beurteilen kann, auch zwei sehr entzückende ausgesucht. Paul (angeblich kastriert) und Lilli. Mein Mann wollte einen Hektor, aber wir weigerten uns, dieses kleine erstarrte Wesen so zu nennen.

Zu Hause angekommen richteten wir den Kaninchenstall (wie ich mittlerweile erfahren hatte) ein. Gut, das Klavier steht seitdem hinter dem Kasten, aber auf dem spielt sowieso selten jemand.

Und der Käfig schaut auch nicht besonders hübsch aus. Die Tiere fühlen sich aber offensichtlich recht wohl und flitzen ständig hin und her. Die Kinder sind glücklich. Mein Mann macht einen auf cool, holt die kleinen Viecher aber verdammt oft aus ihrem Terrain, um mit ihnen zu schmusen. Nur ich bin ein wenig neidisch und schiele manchmal heimlich auf die Tiere samt deren Behausung.

Ich meine, die zwei kommen als letztes in diese Familie und haben definitiv um einiges mehr an Platz als ich. Wenn sie einmal nicht mehr sind, dann richte ich mir das Gehege ein. Ganz für mich alleine!

Unser Arbeitsplatz: neben der Küchenrolle und hinter dem Müsli

Ich wurde unlängst nach einem Bild meines Arbeitsplatzes gefragt. Doch ich gehöre nicht zu den Menschen deren Arbeitsplatz viel hermacht. Also weder liegt er in einer Finka in Ibiza noch in einem grandiosem Haus am See.

Als ich also unkommentiert das gewünschte Foto versendet habe, erntete ich ein großes Fragezeichen. Erst verstand ich nicht warum, doch als der Empfänger mir schrieb: „Bitte ein Foto von deinem Schreibtisch“, war alles klar. Ja konnte er denn den Schreibtisch nicht sehen? Neben dem Müsli, den Bananen, der Küchenrolle und dem anderen Alltagswahnsinn der zu dieser Familie gehörte. Na sowas aber auch.

FullSizeRender-54

Ich versendete dasselbe Foto noch einmal mit einem Hinweis auf den Laptop links im Bild, der auf den Tischsets stand und erntete einen Smiley.

Denn um hier die ganze Wahrheit zu schreiben: ich habe weder einen Arbeitsplatz noch einen Schreibtisch. Genau genommen habe ich überhaupt keinen eigenen Platz. Denn wir sind zu fünft, und alles bei uns an Platz ist genauestens verplant und besetzt. Das meiste mit Kinderzeug.

Auch meine Arbeitszeit ist eine sehr flexible und müsste eigentlich Arbeitsgelegenheit heißen. Denn ich arbeite, wenn sich gerade die Gelegenheit dazu anbietet.

Manchmal wenn die Große Hausübung macht, die Mittlere auf einem alten Computer Wörter nachschreiben möchte und die Kleinste puzzelt. Dann habe ich in etwa 15 Minuten, bevor die Erste etwas braucht und der Zweiten langweilig wird.

Mein Mann hat unlängst einen Satz getätigt der in etwa diesen Wortlaut hatte: „Mann, zu Hause kann man ja nicht eine Sekunde in Ruhe arbeiten.“ Ja, stimmt.

Ich koche hin und wieder um 6.45 das Mittagessen, damit ich wenn die Jüngste schläft, 20 Minuten Zeit habe. Vorausgesetzt die Wäsche hängt schon und ich habe auf Vorrat eingekauft. Denn um 12.45 hol ich die beiden Großen und dann ist immer was los.

Nur in den Pausen in denen sie alleine spielen oder malen… in denen entstehen dann meine Texte. Und auch die Bücher. Und manchmal nehme ich dafür sogar ein überschwemmtes Bad in Kauf. Übrigens 90% von allem entsteht im Stehen. Soll auch gesünder sein. Und angeblich hat sogar Hemingway so geschrieben. Also es besteht die Hoffnung, dass das Stehen ja irgendwann Wirkung zeigt.

Und weil ich weiß, dass Mütter nun einmal oft so arbeiten, hab ich meine wundervolle Schwägerin Susi gefragt wie ihre Illustrationen entstehen. Ich wäre überrascht gewesen hätte sie dafür eine fixe Zeit oder einen fixen Ort genannt. Nein, sie malt genau wie ich auf Etappen.
Neben Spielzeug wegräumen, kochen, Kindern beim Spielen helfen, Kinder abholen, Trotzphasen ertragen und sooo vielem mehr.

Und die Frage, die wir uns beiden immer stellen, wenn wir aufeinander treffen ist: Wären wir auch so kreativ und würde uns genauso viel einfallen, wenn wir nicht in diesem Alltagswahnsinnskinderundhaushaltsirsinn gefangen wären?

Wir werden es rausfinden, aber es wird wohl noch eine Weile dauern.

Darum: ein Hoch auf alle Mütter (und Väter) deren Arbeitsplatz das zu Hause ist und an die, die zusätzlich noch  zuerst den Laptop unter den Spielsachen und dem Stapel frischer Wäsche hervorkramen müssen!

 

 

 

Nein, das ist nicht von mir! Oder?

Alvas Glitzerschuhbande

Heute hat mich meine Steyrer-Freundin M. angesprochen, ob das kleine rote Gefährt, das sie derzeit noch für ihre Dreijährige verwendet, von mir ist. Ich dachte kurz nach und mir fiel folgendes Szenario ein, das sich drei Jahre zuvor abspielte: Meine Waldviertler Freundin S. kommt mit einer vollen Autoladung zu uns, um all das von mir Geborgte zurückzugeben, das sie nicht mehr benötigte. Es sei dazugesagt, die Familienplanung von S. war zu diesem Zeitpunkt vollkommen abgeschlossen. Sie wollte nicht mehr als drei Kinder und war froh über jedes noch so kleine Spielzeug oder Kleidungsstück, das ihre Wohnung dauerhaft verließ.

Damals war ich gerade schwanger mit Nummer drei, hormongeschüttelt und auch ein wenig konfus. Doch als sie ein blaues Puky-Gefährt mit den Worten „das wirst du ja wieder brauchen“ aus ihrem Auto hievte, war ich komplett irritiert. „Ist das von mir?“, hörte ich mich daher sagen. S. nickte heftig. Kein Aha-Erlebnis stellte sich bei mir ein. Ganz im Gegenteil. Ich war mir sicher, dass ich dieses Teil noch nie gesehen hatte. Beziehungsweise hatte ich es noch nie in dieser Farbe gesehen. Denn zwar nannte ich bei Tochter Eins ein solches Fahrzeug unser eigen, aber dieses war – und da war ich mir zu hundert Prozent sicher – Rot gewesen und außerdem nach Benutzung bei einer anderen Freundin gelandet. Das wusste ich aber nicht mehr so ganz genau.

Doch S. ließ nicht mit sich diskutieren. Froh das ganze „Klumpert“ los zu werden, ignorierte sie meine Einwände, packte das Zeug aus und sprang mit den Worten:, „Du, ich muss jetzt los“, ins Auto und brauste davon.
Ok. Dann hatte ich eben jetzt ein blaues Puky. War ja egal. Ob es tatsächlich unseres war? In dieser Farbe?

Wie auch immer, das dritte Kind kam zur Welt, wurde größer und fuhr schließlich mit 1 1/2 mit dem blauen Teil durch die Wohnung und ich hatte den Vorfall komplett vergessen. Bis heute. Denn als M. mich fragte, ob das rote Fahrzeug meines war, schloss sich kurz der Kreis.
Vielleicht war das ja das verborgte Puky. Aber hatte ich es tatsächlich damals M. gegeben? Das würde schon Sinn machen. Denn ich hatte ja die ganze Zeit über das Gefühl, dass ich recht gehabt hatte und unser Gefährt ein rotes gewesen war. Eigentlich was es egal. Ich wollte das Ding auf keinen Fall mehr wieder haben. Denn nun war unsere Familienplanung definitiv abgeschlossen. Und da war ich froh über alles, was raus war aus dem Haus.

Also merkte ich vorsichtig an, dass es sein könnte, dass es zwar meines war, ich es aber um nichts in der Welt mehr zurück haben wollte. Eine andere Freundin von M. hatte in der Zwischenzeit behauptet, dass es ihr Fahrzeug war, das sie einst an M. verliehen hatte. M‘s Mann war sich wiederum sicher, dass es unseres war. Und ich war wieder einmal verwirrt. Egal. Wir einigten uns schnell, da ja eine das Ding sowieso nicht mehr haben wollte (ich) und die andere es so schnell wie möglich kriegen sollte (die Freundin von M.). Denn auch M‘s Planung sah momentan von weiteren Kindern ab.

Aber die Frage stand für mich trotzdem noch im Raum: wessen Puky war das Rote nun wirklich? Und wessen war eigentlich das Blaue? Ich weiß genau, irgendwann wenn ich viel Zeit habe, werde ich alte Fotos sichten. Denn auf irgendeinem finde ich sicher mein erstes Töchterlein, sitzend auf einem roten oder blauen Puky.
Hoffentlich ist es dann nicht gelb!

Illustration: Susanne Binder

Junge Oma

Alvas Glitzerschuhbande

Eine der letzten Geschichten handelte quasi von meiner verlorenen Jugend. Doch nicht jeder muss sich mit diesem Problem herumschlagen. Zumindest wenn es um die Optik geht.

Und die Mode hat sich im Laufe der Zeit ja auch verändert. Kein Mensch trägt zum Beispiel mehr sackähnliche Kleiderschürzen. Der Umstand, dass sich Omas nun nicht mehr „omamäßig“ kleiden, führt daher gelegentlich zu Missverständnissen. Vor kurzem war ich mit meinem jüngsten Töchterlein in einem Geschäft und ließ mir ein Blumenkistl zur Seite legen, da ich erst zu Hause ausmessen wollte ob das Teil passte. Die Verkäuferin kam meinem Wusch nach, nachdem sie eine Weile mit meinem süßen Mädchen geschäkert hatte. Ich erwähnte bei der Dame, dass es sein kann, dass meine Schwiegermutter das besagte Kistl abholen kam.

Die Verkäuferin schrieb einen Zettel mit meinem Namen und legte ihn auf das Produkt. Ich ging nach Hause, stellte fest, dass das Teil perfekt war und rief meine Schwiegermutter an, um zu fragen ob sie es auf dem Weg des „Kinderabholens“ mitnehmen könnte.Denn Montag war immer „Omatag“.

Sie ging also in besagtes Geschäft und fragte an der Kassa nach dem Kistl. Zwei Verkäuferinnen die gerade ins Gespräch vertieft waren sahen sie an. Die eine erinnerte sich an den Namen und meinte: „Ja natürlich hab ich das Kistl für sie reserviert. Ich geb es ihnen gleich.“ Sie suchte eine Weile im Kassenbereich und meinte dann zu ihrer Kollegin: “Du, wo ist denn das kleine Blumending hingekommen, das ich für die Dame mit ihrem Baby zur Seite gelegt habe?“

Die zweite Verkäuferin erstarrte und konnte den Blick nicht von meiner Schwiegermutter wenden, während die erste immer hektischer mittlerweile unter dem Verkaufsstand kramte. Die Zweite erwachte aus ihrer Lethargie und meinte: “Das hab ich nach hinten ins Lager gelegt, weil es im Weg war.“ Dann wendete sie sich zu meiner Schwiegermutter und sagte langsam und immer noch seltsam schockiert: „Ich hol es ihnen sofort.“ Und dann fügte sie noch gedehnt hinzu:“ Und ihr Baby haben sie jetzt nicht mit?“ Die zweite Verkäuferin drehte sich um und blickte fragend. Auch meine Schwiegermutter schien vorerst verwirrt, dann zeigt sich Verständnis in ihrem Gesicht und sie lachte los: “Nein,“ sagte sie daher an die Verkäuferin gewandt,“ das Mädchen ist bei ihrer Mutter.“ Und nach einer langen Atempause fügte sie grinsend hinzu: “Meiner Schwiegertochter.“

Tja, das kommt davon liebe Schwiegermutter wenn man mit fast siebz…„hüstel, hüstel“ noch kaum Falten hat und ein Gesicht wie eine Kamee. Dazu noch stilvoll und jugendlich gekleidet und schon tarnt sich die Oma und geht glatt als etwas zu alte Mutter durch. Halleluja. Hoffentlich haben meine Kinder das von ihr geerbt.