„Piepsiiiiiiiiii“

Alvas Glitzerschuhbande

Beim dritten Kind merke ich, dass ich doch eine gewisse Routine und Erfahrung in die Kindererziehung mit einbringe. Aber in vielen Bereichen, so scheint mir, kommt dann doch die individuelle Art des Kindes so stark raus, dass ich mich mit meiner „Erfahrung“ brausen gehen kann. Und Kind Nr. 3 bietet da einen besonderen Pool an unerwarteten Charaktereigenschaften, die sich in mir in nicht nach zu vollziehbaren Handlungen darbieten.

Kind Nr. 1 wollte von sich aus mit zwei Jahren keine Windel mehr. Wir versuchten es und es klappte. Bei Kind Nr. 2 verhielt es sich ähnlich. Kind Nr. 3 hab ich, weil sie auch immer ankündigt, wenn sie „Piepsi“ muss, überredet doch die Windel gegen eine Unterhose auszutauschen. Funktionierte wunderbar. Sie gab mir bei jedem „Piepsi“ Bescheid und ich rannte mit ihr aufs Klo. Anfangs fand sie das auch noch irrsinnig lustig. Irgendwann jedoch während dem Lego spielen mit ihren Schwestern brüllte sie wieder „Piiiiiepsi“ und ich kam gelaufen, um mit ihr auf die Toilette zu sprinten. Sie sah mich mit großen Augen an und sagte: „Aufs Klo? Da war ich doch schon so oft.“

Meine verwunderte Antwort folgte rasch: „Ja, Schatzi, du gehst jetzt immer aufs Klo, wenn du „Piepsi“ musst.“ Sie verzog nachdenklich den Mund. Dachte nach, dann erhellte sich ihr Gesicht und sie stellte strahlend fest: „ Dann gib mir doch wieder die Windel, damit ich spielen kann und nicht so oft aufs Klo gehen muss.“
Ich lachte. Also zu faul um ständig beim Spielen unterbrochen zu werden. Gut.

Mittlerweile handhaben wir es je nach Bedarf. Und irgendwann wird das schon. Hoffe ich. Denn diesem Kind meinen Willen auch nur nahe zu legen, hat in vielen Situationen so gar keinen Sinn. Ich wünschte mir nach Kind Nr. 1 und Nr. 2 ein zusätzliches sehr autonomes Kind. Das hab ich. Sie will alles alleine machen. Toll bei den Socken und Schuhen. Unmöglich beim „Roller die Stiegen runter tragen“ und ganz schlimm unter Zeitdruck.

Wenn man dann im Vorzimmer steht und die Versuche, die kleine Schlaufe der Schuhe in das vorgesehene Loch zu manövrieren, unkommentiert und ohne Hilfe anzubieten, beobachten muss, dann ist das mitunter ein sehr nervenaufreibendes Unterfangen.

Auch die Schwestern dürfen nicht helfen. Denn der Wutausbruch „ich kann das alleine“ ist gefürchtet „waldaus waldein“. Manchmal platzt mir aber doch der Kragen und ich trage dann unter Zeitdruck ein brüllendes Kind zum Auto, dass mir, Dank den gelegentlich gehörten Sätzen der großen Schwestern, wenn sie miteinander streiten, ins Ohr brüllt: „Ich will dich nicht mehr sehen. Du Trottelkopf.“

Meine beiden Großen waren selten so energisch und meist sehr leicht zu beschwichtigen. Dieses Kind zeigt mir neue Möglichkeiten auf, mich in meiner „Mitte zu finden“ und „Gelassenheit zu erlangen“. Wenn sie dann mit dieser trotzigen Art nicht den gewünschten Erfolg erzielt, dann schaut sie mich verschmitzt an und sagt Sachen wie: „Bitte liebste! Mama, darf ich noch ein wenig spielen?“ Was soll ich sagen. Sie ist einfach entzückend. Mit all ihren Facetten. Und als wir unlängst einkaufen waren, erhielt ich dann auch den alles entscheidenden Rat einer Frau an der Kassa, die das Spiel der Tochter, die schimpfend aus dem Wagerl aussteigen wollte und mir die Schweißperlen auf die Stirn trieb, beobachtete.

Sie sagte nämlich zu mir: „Wissen Sie, beim ersten Kind ist man da noch so schnell verzweifelt. Da müssen sie schnell noch eines kriegen, dann werden Sie wesentlich entspannter.“ Ahhhhhh so geht das!

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