Unser neues Familienmitglied: Herbert der Stein

Alvas Glitzerschuhbande

Manchmal haben meine Kinder einen eigenartigen und für viele nicht nachvollziehbaren Zugang zu Gegenständen. Unlängst waren wir im Urlaub und am Strand haben sich Szenen abgespielt, dass einige Urlauber dachten, unsere Familie und die damit verbundenen Dialoge gehören zum Unterhaltungsprogramm des Hotels. Andere wiederum hätten mir vermutlich gerne, als wir den Strand verließen, Kärtchen von namhaften Kinderpsychologen zugesteckt.

Folgende Szene spielte sich ab:

Drei Kinder spielten am Stand. Die dazugehörigen Eltern, also wir, lagen auf einer Liege und folgten dem Geschehen. Auf einmal stürmten alle Kinder gleichzeitig auf uns zu und sprudelten los. Sie hätten einen Stein gefunden und der war wunderschön. Er gehörte bitte nur vollständig ausgegraben. Nach längerem Murren machte sich mein Mann auf den Weg, den Stein aus dem Sand zu befreien. Besser gesagt den Felsen. Denn das Stückchen, das meine Kinder gefunden hatten war nur ein kleiner Teil einer Ecke des riesengroßen Ungetüms. Mein Mann schleppte also einen Felsbrocken, der größer und schwerer war als unsere Kinder, in Richtung Liege. Er ließ ihn ein paar Meter neben unserem Sonnenplatz auf den Boden plumpsen. Mir war als spürte man ein kleines Erdbeben.

Die drei Mädchen jubelten begeistert und begannen mit dem Stein zu spielen. Sie dekorierten ihn mit Muscheln, wuschen ihn liebevoll und sangen für ihn Lieder. Dann tanzten sie um ihn herum.
Die Eltern eines entzückenden ungefähr vierjährigen Mädchen, die direkt neben mir eine Liege hatten, sahen erstaunt zu. Okay, das Ganze glich ein bisschen einem Hippietanz oder einem Hexenritual, aber süß waren meine drei.

Ich unterhielt mich in der Zwischenzeit recht angeregt mit meiner Liegenachbarin. Als meine Kinder dann irgendwann kamen und meinten, wir müssten den Stein mit ins Hotelzimmer, ja sogar mit nach Hause nehmen, denn er gehöre ab nun zur Familie, lächelte ich leicht verlegen und die andere Mutter lächelte ebenso verlegen und möglicherweise ein wenig irritiert zurück. Als meine Kinder zu ihrem neu ernannten Familienmitglied zurückliefen, merkte ich ironisch an, dass ich froh war, dass sie dem Stein noch keinen Namen gegeben hatten. Kannte ich doch meine Kinder.

Zwei Sekunden später tönte die Stimme meiner Ältesten zu mir: „ Wir müssen Herbert mitnehmen. Ohne uns ist er doch einsam.“ Unsere Liegenachbarn lachten amüsiert. Mein Mann und ich weniger. Der darauffolgende Dialog wurde von dem Ehepaar  ebenso wie von den restlichen Badegästen mit großem Interesse verfolgt. Ganz sicher waren sie sich vermutlich noch nicht, ob wir irre waren oder die Strandkomiker der Hotelanimateure. Es handelte sich um folgenden Dialog:

Ich: Bitte lass den Stein doch bei den anderen Steinen. Seinen Freunden.
Tochter: Nein, Herbert ist so einsam am Strand. Er möchte lieber mit uns kommen. Ins Kinderzimmer.
Ich: Aber Schatz, der ist viel zu groß. Den kriegen wir nicht einmal in den Kofferraum, ohne dass wir etwas anderes dalassen müssen.
Tochter: Das schaffen wir schon…wir rutschen eng zusammen….

So ging das eine ganze Weile, bis wir uns darauf einigten, Herbert den Stein zumindest an diesem Tag am Strand zu lassen und ihn, wenn überhaupt, kurz vor der Abfahrt holen würden.

Ich setzte daher in Richtung der anderen Menschen ein Siegerlächeln auf und wandte mich an meine Tochter, die gerade eine sandige Plastikflasche in der Hand hielt. Ich bat sie die Flasche doch bitte in den Mist zu werfen. Worauf sie mich mit schreckensgeweiteten Augen ansah und entrüstet rief: Aber das ist doch Holly!!!!

Als ich gerade knapp davor war, in Ohnmacht zu fallen, breitete sich ein freches Lächeln im Gesicht meiner Tochter aus und sie warf die Flasche unter Applaus unserer Liegenachbarn in den Mistkübel.

Zusatz: Wir haben den Stein nicht mitgenommen. Und meine wunderbare Tochter hat beim Heimfahren mit nachdenklichem Blick aus dem Fenster festgestellt: Ich denke, es ist jetzt Zeit, dass ich aufhören sollte, dass mir Steine leidtun. Oh nein, ein Stück Kind wird erwachsener!

 

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