Unser Arbeitsplatz: neben der Küchenrolle und hinter dem Müsli

Ich wurde unlängst nach einem Bild meines Arbeitsplatzes gefragt. Doch ich gehöre nicht zu den Menschen deren Arbeitsplatz viel hermacht. Also weder liegt er in einer Finka in Ibiza noch in einem grandiosem Haus am See.

Als ich also unkommentiert das gewünschte Foto versendet habe, erntete ich ein großes Fragezeichen. Erst verstand ich nicht warum, doch als der Empfänger mir schrieb: „Bitte ein Foto von deinem Schreibtisch“, war alles klar. Ja konnte er denn den Schreibtisch nicht sehen? Neben dem Müsli, den Bananen, der Küchenrolle und dem anderen Alltagswahnsinn der zu dieser Familie gehörte. Na sowas aber auch.

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Ich versendete dasselbe Foto noch einmal mit einem Hinweis auf den Laptop links im Bild, der auf den Tischsets stand und erntete einen Smiley.

Denn um hier die ganze Wahrheit zu schreiben: ich habe weder einen Arbeitsplatz noch einen Schreibtisch. Genau genommen habe ich überhaupt keinen eigenen Platz. Denn wir sind zu fünft, und alles bei uns an Platz ist genauestens verplant und besetzt. Das meiste mit Kinderzeug.

Auch meine Arbeitszeit ist eine sehr flexible und müsste eigentlich Arbeitsgelegenheit heißen. Denn ich arbeite, wenn sich gerade die Gelegenheit dazu anbietet.

Manchmal wenn die Große Hausübung macht, die Mittlere auf einem alten Computer Wörter nachschreiben möchte und die Kleinste puzzelt. Dann habe ich in etwa 15 Minuten, bevor die Erste etwas braucht und der Zweiten langweilig wird.

Mein Mann hat unlängst einen Satz getätigt der in etwa diesen Wortlaut hatte: „Mann, zu Hause kann man ja nicht eine Sekunde in Ruhe arbeiten.“ Ja, stimmt.

Ich koche hin und wieder um 6.45 das Mittagessen, damit ich wenn die Jüngste schläft, 20 Minuten Zeit habe. Vorausgesetzt die Wäsche hängt schon und ich habe auf Vorrat eingekauft. Denn um 12.45 hol ich die beiden Großen und dann ist immer was los.

Nur in den Pausen in denen sie alleine spielen oder malen… in denen entstehen dann meine Texte. Und auch die Bücher. Und manchmal nehme ich dafür sogar ein überschwemmtes Bad in Kauf. Übrigens 90% von allem entsteht im Stehen. Soll auch gesünder sein. Und angeblich hat sogar Hemingway so geschrieben. Also es besteht die Hoffnung, dass das Stehen ja irgendwann Wirkung zeigt.

Und weil ich weiß, dass Mütter nun einmal oft so arbeiten, hab ich meine wundervolle Schwägerin Susi gefragt wie ihre Illustrationen entstehen. Ich wäre überrascht gewesen hätte sie dafür eine fixe Zeit oder einen fixen Ort genannt. Nein, sie malt genau wie ich auf Etappen.
Neben Spielzeug wegräumen, kochen, Kindern beim Spielen helfen, Kinder abholen, Trotzphasen ertragen und sooo vielem mehr.

Und die Frage, die wir uns beiden immer stellen, wenn wir aufeinander treffen ist: Wären wir auch so kreativ und würde uns genauso viel einfallen, wenn wir nicht in diesem Alltagswahnsinnskinderundhaushaltsirsinn gefangen wären?

Wir werden es rausfinden, aber es wird wohl noch eine Weile dauern.

Darum: ein Hoch auf alle Mütter (und Väter) deren Arbeitsplatz das zu Hause ist und an die, die zusätzlich noch  zuerst den Laptop unter den Spielsachen und dem Stapel frischer Wäsche hervorkramen müssen!

 

 

 

Ein Kommentar zu „Unser Arbeitsplatz: neben der Küchenrolle und hinter dem Müsli

  1. Hihi, ich hab zwar einen eigenen Zeichentisch, aber selbst da findet sich ständig irgendwelches Kinderzeugs. Und das Drumherum stimmt in seinem ganzen (kreativen) Chaos sowieso mit Deiner Beschreibung überein! ;))

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