Nein, das ist nicht von mir! Oder?

Alvas Glitzerschuhbande

Heute hat mich meine Steyrer-Freundin M. angesprochen, ob das kleine rote Gefährt, das sie derzeit noch für ihre Dreijährige verwendet, von mir ist. Ich dachte kurz nach und mir fiel folgendes Szenario ein, das sich drei Jahre zuvor abspielte: Meine Waldviertler Freundin S. kommt mit einer vollen Autoladung zu uns, um all das von mir Geborgte zurückzugeben, das sie nicht mehr benötigte. Es sei dazugesagt, die Familienplanung von S. war zu diesem Zeitpunkt vollkommen abgeschlossen. Sie wollte nicht mehr als drei Kinder und war froh über jedes noch so kleine Spielzeug oder Kleidungsstück, das ihre Wohnung dauerhaft verließ.

Damals war ich gerade schwanger mit Nummer drei, hormongeschüttelt und auch ein wenig konfus. Doch als sie ein blaues Puky-Gefährt mit den Worten „das wirst du ja wieder brauchen“ aus ihrem Auto hievte, war ich komplett irritiert. „Ist das von mir?“, hörte ich mich daher sagen. S. nickte heftig. Kein Aha-Erlebnis stellte sich bei mir ein. Ganz im Gegenteil. Ich war mir sicher, dass ich dieses Teil noch nie gesehen hatte. Beziehungsweise hatte ich es noch nie in dieser Farbe gesehen. Denn zwar nannte ich bei Tochter Eins ein solches Fahrzeug unser eigen, aber dieses war – und da war ich mir zu hundert Prozent sicher – Rot gewesen und außerdem nach Benutzung bei einer anderen Freundin gelandet. Das wusste ich aber nicht mehr so ganz genau.

Doch S. ließ nicht mit sich diskutieren. Froh das ganze „Klumpert“ los zu werden, ignorierte sie meine Einwände, packte das Zeug aus und sprang mit den Worten:, „Du, ich muss jetzt los“, ins Auto und brauste davon.
Ok. Dann hatte ich eben jetzt ein blaues Puky. War ja egal. Ob es tatsächlich unseres war? In dieser Farbe?

Wie auch immer, das dritte Kind kam zur Welt, wurde größer und fuhr schließlich mit 1 1/2 mit dem blauen Teil durch die Wohnung und ich hatte den Vorfall komplett vergessen. Bis heute. Denn als M. mich fragte, ob das rote Fahrzeug meines war, schloss sich kurz der Kreis.
Vielleicht war das ja das verborgte Puky. Aber hatte ich es tatsächlich damals M. gegeben? Das würde schon Sinn machen. Denn ich hatte ja die ganze Zeit über das Gefühl, dass ich recht gehabt hatte und unser Gefährt ein rotes gewesen war. Eigentlich was es egal. Ich wollte das Ding auf keinen Fall mehr wieder haben. Denn nun war unsere Familienplanung definitiv abgeschlossen. Und da war ich froh über alles, was raus war aus dem Haus.

Also merkte ich vorsichtig an, dass es sein könnte, dass es zwar meines war, ich es aber um nichts in der Welt mehr zurück haben wollte. Eine andere Freundin von M. hatte in der Zwischenzeit behauptet, dass es ihr Fahrzeug war, das sie einst an M. verliehen hatte. M‘s Mann war sich wiederum sicher, dass es unseres war. Und ich war wieder einmal verwirrt. Egal. Wir einigten uns schnell, da ja eine das Ding sowieso nicht mehr haben wollte (ich) und die andere es so schnell wie möglich kriegen sollte (die Freundin von M.). Denn auch M‘s Planung sah momentan von weiteren Kindern ab.

Aber die Frage stand für mich trotzdem noch im Raum: wessen Puky war das Rote nun wirklich? Und wessen war eigentlich das Blaue? Ich weiß genau, irgendwann wenn ich viel Zeit habe, werde ich alte Fotos sichten. Denn auf irgendeinem finde ich sicher mein erstes Töchterlein, sitzend auf einem roten oder blauen Puky.
Hoffentlich ist es dann nicht gelb!

Illustration: Susanne Binder

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