Ich will genau daaaaaaaaas!

Alva´s Glitzerschuhbande

Unlängst waren wir in der Therme. Alle fünf. Beim Hasen. Vor 10 Jahren hätte ich nie und nimmer geglaubt, dass mir diese Art von Urlaub, bei der man auch noch abartig viel zahlt, irgendwann einmal gefallen würde. Man wird älter. Und in meinem Fall kriegt man mehr Kinder.

Mit drei kleinen Mädchen ist all-inklusive und viel Aktion für Kinder schon sehr toll. Auch das Unterhaltungsprogramm war für die Mädchen lustig. Wieder zu Hause wurde ich mehrmals von verschiedenen Leuten gefragt, ob das denn tatsächlich nett war. Weil doch dort so viele Kinder sind und der ganze Lärm und die ständige Musik.

Bei mir aber liegt generell die Herausforderung, die ich an solchen Orten erlebe in einem ganz anderen Bereich. Ich habe nämlich manchmal große Schwierigkeiten. Nicht mit anderen Kindern, sondern mit den dazugehörigen Eltern. Es gibt dafür zig Beispiele. Hier nur eines davon.

Ich dümpelte gerade mit meiner Zweijährigen in der hauseigenen Therme im Babybecken herum. Rund um uns Unmengen Spielzeug, das zur Ausstattung gehörte. Mein Mädchen spielte begeistert mit einer blauen Gießkanne und einem Topf. Nach einiger Zeit fiel mir auf, dass sich hinter mir ein nicht endend wollender Dialog entwickelte, der ungefähr diesen Inhalt hatte. „Ich will das.“ Eindeutig die Stimme eines Kindes. Ein Mann antwortete: „Ja, ich weiß, dass du den Topf des Mädchen möchtest, aber das spielt noch damit.“
Nach einer Weile kam es lauter und einen Tick höher als zuvor: „Ich will aber daaaas.“ Und die Männerstimme von vorhin erklärte mit wachsender Panik in der Stimme. „Ja, ja ich weiß. Das Kind hört auch sicher gleich auf mit dem Topf zu spielen.“

Ich drehte mich neugierig um und hielt in der Bewegung inne. Denn ungefähr 20 cm hinter mir saß ein Mann im Wasser und nicht weniger weit entfernt war seine Tochter. Ahhhh. So nah! Und Ahhh. Die meinten den Topf meiner Tochter.

Der Mann betonte nun noch ca. fünf Mal, dass der Topf sofort nach dem Freiwerden in die Hände seiner ungefähr 3-4-jährigen Tochter übergehen wird. Der Appell ging also an mich. Das Mädchen schrie und plärrte mittlerweile in unangenehmer Lautstärke. Als der Mann noch ein Stück weiter in meine Richtung kam und ich mich schon wirklich beengt fühlte, rückte ich ein Stück ab. Dann schaute ich ihm mitleidig ins Gesicht, drehte mich wieder um und sagte zu meiner entzückenden Tochter: „ Schatz, das Mädchen möchte den Topf auch einmal haben. Und hier sind soooo viele andere Spielsachen. Magst du ihn ihr geben?“ Mein Goldschatz überlegte kurz, dann gab sie besagten Topf dem Mädchen und sagte zu mir: „Machst du Schüssel?“ Was so viel hieß wie, dass sie einfach in meine Hände weiter Wasser von der Gießkanne laufen lassen wollte.

Der Vater des Kindes bedankte sich artig und beide rückten zum Glück wieder ein Stück von mir ab. Die Tochter sah uns 2 Sekunden später trotzig an, schmiss ihre lila-farbige Gießkanne in hohen Bogen weg und schrie: „Und ich will die blaue Gießkanne.“ Nun war ich schon dezent genervt. Der Vater auch. Aber offensichtlich auch sehr bemüht ja alle Wünsche der kleinen Tyrannin zu erfüllen, denn er robbte (wie sollte man sich auch in diesem seichten Wasser anders fortbewegen) wieder in meine Richtung und kam mir schon wieder sehr nahe. Und nur der fehlenden Distanz und dem damit verbundenen unangenehmen Gefühl war es zu verdanken, dass ich meine kleine Tochter bat, dem Mädchen auch noch die Gießkanne zu überlassen. Diese war überrascht, dass sie auch das andere Spielzeug abgeben sollte, gab aber dem Mädchen das Teil und begann einfach mit ihren Händen Wasser in meine Hände zu schaufeln.

Das Vater-Tochter-Gespann nahm die Gießkanne nickend entgegen und entfernte sich. Nach ein paar Sekunden näherten sich beide wieder an. Die Tochter heulte und der Vater wandte sich verzweifelt in meine Richtung.

Und als die 20 cm Sicherheitsabstand zu mir überschritten wurden, reichte es mir. Ich holte tief Luft. Dabei erhaschte ich noch kurz einen belustigten Blick meines Mannes, der die Szene offenbar die ganze Zeit beobachtet hatte und auf den Ausgang des Films wartete. Das fremde Mädchen brüllte in meine Richtung: „Ich will…!!“ Der Vater hob an etwas zu sagen. Und ich brüllte zurück. „Wir haben nichts mehr. Außer ihr Kind will die Schwimmwindel meiner Tochter.“ In dem Moment schrie das Mädchen den Satz zu Ende: „…auch so eine Windel.“

Ich verdrehte die Augen. Da, bitte! Wusste ich es doch. Und kurz war ich geneigt die Hose meinem Kind runterziehen und sie den beiden Eindringlingen hinzufetzen.
Doch nur kurz. Kopfschüttelnd und kommentarlos stand ich unter größter Selbstbeherrschung auf, nahm mein Kindlein und ging zu meinem Mann, der ein paar Meter weiter mittlerweile laut lachte. Dort ließ ich mich wieder ins Wasser sinken mit dem Bewusstsein, dass ich hier in Sicherheit war. Denn mein Mann hatte noch ein viel größeres Problem mit der Nähe von fremden Menschen als ich. Und so harmlos er war, so bedrohlich sah er wenigstens aus.

2 Kommentare zu „Ich will genau daaaaaaaaas!

  1. Hallo,
    Echt witzige Geschichte.
    So ein Verhalten fängt bei Kleinkindern an:
    „Ich will auch so einen Eimer“ oder „Ich will auch eine Puppe oder ein Feuerwehrauto“

    Dann als Jugendlicher:
    „Ich will auch ein Handy, wie meine Freunde.“

    Und schließlich Erwachsene:
    „Ich will auch ein Auto, wie mein Nachbar.“

    Hast du toll beschrieben. Ich musste echt schmunzeln.
    Danke

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