Frische Fische fischt mein Mann…

Alva´s Glitzerschuhbande

Mein Mann hat ein neues Hobby. Er geht neuerdings fischen. Und da das in Wien gar nicht so einfach zu bewerkstelligen ist, fahren wir derzeit öfters zu meinen Eltern aufs Land. Denn die haben vorm Haus einen Bach und in dem schwimmen herrliche Forellen. Kaum angekommen verschwindet er also und kommt erst wieder ins Haus, wenn entweder ein oder mehrere Fische das Zeitliche gesegnet haben. Oder aber wenn ihm die Finger abfrieren oder es mittlerweile stockdunkel ist.

Anfangs habe ich diese neue Leidenschaft milde belächelt und noch ziemlich erheiternd gefunden. Mittlerweile nervt es mich gewaltig. Nicht nur, dass ich ihn das ganze Wochenende nicht zu Gesicht bekomme, und daher sowohl meine Kinder als auch meine Eltern ungebremst 12 Stunden um mich habe. Nein, auch die Euphorie einen Fisch gefangen zu haben, konnte ich nach dem x-ten Mal nicht mehr nachvollziehen.

Und ein Beispiel dafür, dass diese Fischerei ein wenig überhandnimmt, habe ich auch. Am 24. Dezember in der Früh schlich sich mein Mann wieder aus dem Haus und ward verschwunden. Um 11.00 war ein Verwandtenbesuch angesagt und ich war mir sicher, mein Mann hat es nicht eilig mitzukommen. Ich schickte also meine zart besaitete, überaus sensible große Tochter hinaus um den Papa zu holen. 5 Minuten später kam ein extrem verweintes Töchterlein zurück. Kam sie doch genau in diesem Moment zum Vater, als dieser den Fisch tötete. Was offensichtlich nicht ganz reibungslos von der Hand ging und daher etwas dauerte.

Schockiert und entsetzt beschloss meine Große, die auch einen gehörigen Hang zur Dramatik besitzt, den ganzen Tag immer wieder schluchzend den Kopf zu senken und zu betonen, nun nie wieder einen Fisch essen zu können.
Sie tat mir leid, denn ich wusste, dass ihr das wirklich nahe ging. Was mein Mann ja nicht mitbekam, weil er gleich nach dem Verwandten-pflichtbesuch wieder bei seinen neuen Freunden stand. Und beinahe den Heiligen Abend versäumte. Denn um 5 vor „Wir essen jetzt“ kam er schmutzig und nach Fisch riechend, mit seiner Trophäe herein und tat, als wäre es das normalste der Welt, kurz bevor das Christkind kam noch zu angeln. Im Übrigen essen wir am Hl. Abend Truthahn und nicht Fisch. Also gebraucht hätte man keinen.

Der Wunsch nach Ausgleich zu uns 4 überaus mitteilsamen Frauen war allzu verständlich. Und Fische plauderten bekanntlich wenig. Aber ein wenig mehr Familie und weniger frische Fische hätten es meiner Meinung nach auch getan. Außerdem wer sollte die ganzen Fische denn essen.
Die Kleine verweigerte derartige Tiere von Anbeginn. Die Größere spätestens seit oben genanntem Zwischenfall und die Mittlere aß sie manchmal. Und manchmal nicht. Ich riss mich auch nicht besonders darum. Und mein Mann sagte lapidar: „Na irgendwer wird sie schon essen. Nur ich nicht, denn ich mag sie eigentlich nicht. Ich will sie nur fangen.“
Nun denn! Ich glaube im Grunde geht es nicht einmal ums Fangen sondern ums dort Sitzen, einen tiefen, mir verborgenen Sinn darin zu sehen, ins Wasser zu glotzen und zu warten. Auf? Erleuchtung? Nein, auf Fische die keiner will.

Zum Glück gibt es Nachbarn und Freunde und Schwiegereltern. Und wenn die dann auch keinen Fisch mehr sehen bzw. essen können, muss sich mein Mann eben andere stumme Freunde suchen, die er anhimmelt. Eine Schneckenzucht würde sich da anbieten.

2 Kommentare zu „Frische Fische fischt mein Mann…

  1. Liebe Alva!
    Weil ich immer gleich auf deine Autorenseite stieß, blieb mir bisher dein genialer Blog, geprägt von deinem einzigartigen Schreibstil, verborgen. Eine Schande! Gut, dass mich eine liebe Freundin nun darauf aufmerksam gemacht hat. Ich „zerwuzle“ mich förmlich beim Lesen deiner Alltagsgeschichten. Herzlichen Dank für die vielen amüsanten Stunden.
    Herzlichen Gruß Melanie

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