Ohne Brille geht die Mama nirgends hin, nirgends hin,…

Alva´s Glitzerschuhbande

Vor einigen Wochen begann ich schlechter zu sehen. Und das obwohl ich schon Kontaktlinsenträgerin war. Es stellte sich heraus, dass ich nun zusätzlich eine leichte Alterssehschwäche (und das mit Anfang 30;-)) entwickelt habe.

Außerdem, so gab mir der Augenarzt die Anweisung, musste ich meine Linsen etwas weniger häufig tragen, damit meine Augen nicht darunter leiden. Seine genauen Worte waren: „Wenn Sie zu Hause sind und vor dem PC arbeiten, nehmen Sie die Brille und wenn Sie rausgehen, die Kontaktlinsen. Alles andere ist Verschwendung. Sie setzten sich ja auch nicht mit dem Abendkleid vor den Computer…“

Na gut. Das erste Problem, dass sich dadurch ergab war, dass meine Brille nicht mehr passte. Also optisch gesehen hat sie das ja nie und das hat sich in den 22 Jahren, in denen ich sie hatte und selten trug, auch nicht verändert. Aber auch die Sehstärke hatte nichts mehr mit meiner jetzigen Dioptrieanzahl zu tun. Und obwohl ich mich immer damit brüstete, recht uneitel zu sein, (gemessen an den anderen Familienmitgliedern stimmte das auch), eine Brille, so fand ich, machte mich nicht gerade hübscher.

Daher beschloss ich, dass ich einfach blind durchs Leben laufe, bis ich die Muße hatte mir eine Neue, die mir besser gefiel, zu besorgen. Nach ein paar Tagen der Eingewöhnung stellte ich fest, dass so eine verschwommene Art der Wahrnehmung auch Vorteile hatte. Zwar bekam ich offensichtlich durch das Zusammenziehen der Augenbrauen viele Runzeln auf der Stirn, aber der Küchenboden wirkte dafür immer sauber. Auch wenn wir etwas mit Couscous gegessen hatten, musste ich nur kurz aufkehren. Ohne Brille sah das alles tipp- topp aus. Gut, an den Füßen klebte der Couscous dann doch und ich holte den Staubsauger. Aber bei den Fenstern gefiel es mir, dass die nun für mich keine sichtbaren Fingertappser mehr hatten.

Ein bisschen blöd war es anfangs, dass ich wenn ich meine Kinder abholte, nicht mehr feststellen konnte, wen ich denn tatsächlich kannte und grüßen sollte und wen nicht. Da ich nicht als unfreundlich abgestempelt werden wollte, winkte ich vorsichtshalber schon von der Ferne jedem, der in mein Sichtfeld kam und grüßte alle laut und deutlich. Ich fand, so konnte nichts schiefgehen. Ich war freundlich und gut gelaunt, die Wohnung war viel sauberer als sonst, was wollte ich mehr. Zwar verrichtete ich die meisten Dinge nun langsamer, aber dafür fand ich eine plausible Erklärung. Ich glaube, das lag daran, dass ich in meinem Kopf ja den „ich stehe auf und gehe ins Bad, gebe die Linsen rein und bin voll da“-Modus komplett umging und quasi im „gerade aus dem Bett“-Modus blieb. Nach einer Weile gesellten sich noch ein fester, aber eigentlich nicht sehr störender Schnupfen zu meinem Augenproblem, durch den ich dann auch noch schlechter hörte. Irgendwie wolkig das Ganze.

Ein Ende fand dieser Zustand, als ich wieder einmal lächelnd vor der Schule stand und fleißig in alle Richtungen nickte, als meine Freundin S. auf mich zustartete und mir ins Ohr zischte: „Es reicht! Hör sofort auf mit der Nickerei und dem blöden Grinsen! Kauf dir eine gscheite Brille!! Oder gib deine Linsen wieder rein! Egal, aber mach was! Es fragen schon alle, wer diese Bekloppte vor der Schule ist, die immer jedem winkt und so verklärt lächelt. Außerdem werden schon Mutmaßungen angestellt ob du vielleicht auf Männerfang bist!“

Oh mein Gott! Na, das wollte ich dann doch nicht. Mit gesenktem Kopf und das hochrote Gesicht in meinem Schal versteckend, brachte ich mein Kind nach Hause. Und zog am nächsten Tag, los um mir eine schicke Brille zu kaufen. Sie ist in Arbeit und bis dahin nicke und lächle ich nur noch verhalten, wenn Leute auf der anderen Straßenseite gehen. Und sollten sie mich für unfreundlich halten…die eine Woche werden sie verkraften.

Bild: Susanne Binder

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