Preisfrage: Wer isst was (nicht)?

Abseits vom Advent steht das Haushaltsrad ja niemals still. Und darum muss ich nun etwas loswerden, das nichts mit Weihnachten zu tun hat.

Denn, mir geht die tägliche Kocherei mit drei Kindern gerade sooooo auf die Nerven. Wieder einmal. Jeder mag was anderes nicht. Jeder hat Extrawürste. Und wenn ich mich besonders bemühe, verlangen sie nach einem Butterbrot. Und neulich hat mein Kind auf den Teller geschaut und den faschierten Braten nicht als solches erkannt. Angeekelt hat sie gefragt: „ Ist das Brot in Fett?“ Ich atmete tief ein. Denn ich wusste schon, wie diese Konversation weiterging. Und zwei Gastkinder saßen auch am Tisch, die dann an akuter Fleischallergie litten und den Braten ebenfalls auf die Seite schoben. „Nein, das ist ein FASCHIERTER BRATEN“. Alle vier großen Kinder und meine Jüngste, die es ihnen nachtat, schüttelten den Kopf. Die Große sagte noch: „Schaut anders aus“ und widmete sich den Kartoffeln.

Dass sie bei meiner Mutter alles, aber auch wirklich alles essen, ist schlichtweg eine Frechheit. Und im Kindergarten. Oder bei Freunden. Und dabei bemühe ich mich wirklich. Und mein Mann sagt, es schmeckt ihm in letzter Zeit auch. Ok, vielleicht will er meinen etwas labilen Zustand nicht auch noch forcieren. Keine Ahnung.

Heute habe ich etwas anderes probiert und Essen bestellt. Gesundes Essen von einem Bestellservice. Dann habe ich die überbackenen Schinkenfleckerl mit Gemüse in ein Reindl gestopft und in das Rohr gegeben, um die Spuren der Bestellung zu vernichten. Ich wollte es wissen. Würden sie es essen, dann lag es definitiv an meiner Kocherei. Würde es wieder abgelehnt werden, dann lag es am Prinzip. Ich war gespannt wie beim Ende von Illuminati. Die Drei kamen in die Küche und ein Blick meiner Großen in das Backrohr ließ die bis dahin sprudelnde Konversation meiner Kinder verstummen. Und das Spiel begann.
„Was ist das?“ Alle drei starrten stumm in das Backrohr. Ich erklärte betont langsam. „Ich habe die überbackenen Schinkenfleckerl dieses Mal nach einem anderen Rezept gemacht.“
„Mama, da ist grün drinnen!“, meldete sich die Mittlere zu Wort. Ich scheuchte die Kinder vom Herd weg und an den Tisch. Widerwillig setzten sie sich auf ihre Plätze.
Jede der drei stocherte im Essen herum, das erwähnenswerterweise wirklich sehr gut schmeckte. Die Kleine schob den unberührten Teller weg und sagte: „Smeckt grauuslich.“
Die Große würgte immerhin lächelnd einen Bissen hinunter. „Die normalen Fleckerl, die du sonst machst. Was wurde aus denen?“ Ich antwortete nicht. Die Mittlere hüpfte von ihrem Stuhl. „Ich hab im Kindergarten sooo viel gegessen.“ Alle drei gingen in ihre Zimmer. Ich setzte mich auf einen Stuhl und aß alle drei Portionen Schinkenfleckerl auf. Es lag also am Prinzip. Vielleicht habe ich vor ihnen zu oft erwähnt, dass ich nicht kochen kann. Oder aber sie sind verzogen und außer Pommes, Nudeln und Schnitzel und derzeit Unmengen an Weihnachtskeksen schmeckt ihnen einfach vieles nicht.

Am Abend schlich ich mich ins Zimmer meiner Großen, nahm sie in den Arm und fragte. „Warum esst ihr mein Essen denn so oft nicht?“ Und als mein Töchterlein herumdruckste, formulierte ich um. „Warum zum Teufel esst ihr bei der Oma immer alles?“ Jetzt grinste mein Kind. „Na, weil wir vor Oma mächtig Angst haben.“ Und dann grinste sie noch mehr. „Was dachtest du denn?“

Lachend verließ ich den Raum. Na, da kann ich mich ja glücklich schätzen, wenn mein Essen nicht gegessen wird.

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