Die Besteller-autorin

Alvas´Glitzerschuhbande

„Du, Mama! Wie lange geht man eigentlich in die Schule?“ Ich hielt alarmiert mitten im Schneiden der Äpfeln für den Apfelstrudel inne, und atmete tief durch. Ich hasste diese Art von Fragen, lächelte aber tapfer in Richtung meiner großen Tochter und begnügte mich mit einem lapidar hingeworfenen, und voll guter Laune triefenden: „Och, das ist ganz unterschiedlich. Je nachdem was du einmal werden willst mehr oder weniger lang. Wieso?“

„Nur so. Aber ein wenig genauer könntest du mir das schon sagen. Wie lange warst du denn in der Schule?“ Mein Lächeln wurde ein wenig steifer und ich flötete: „Na ja, eher mehr lang. Aber das Studieren ist ja dann nicht wie Schule.“
Mein Goldschatz beließ es kurz dabei, um mich dann mit weiteren Fragen zu löchern: „Du hast doch etwas mit Pädagogik studiert?“

Ich nickte und wartete ab, was nun kam. „Und dann hast du was anderes gemacht und noch etwas anderes und jetzt schreibst du Bücher und arbeitest als ganz was anderes?“
Ja, wenn man es vereinfacht zusammenfassen will, könnte man das so sagen. Und bevor ich für eine passende Antwort Luft holen konnte, fügte sie noch an. „Und hättest dir das ganze Studium sparen können.“ Und als ich zu einer Erklärung ansetzen wollte, dass man das so auch wieder nicht sagen konnte, sprudelte sie weiter. „Und der Papa, der hat das gleiche studiert und arbeitet auch nicht als Pädagoge.“ „Ja, Schatz, das stimmt.“ Sie überlegte und dann rief sie empört: „Also, da studiere ich womöglich viele Jahre und mache dann sowieso etwas ganz anderes und habe trotzdem keinen Beruf, den es wirklich gibt.“

Noch immer wusste ich nicht ganz, worauf das Gespräch hinauslief. Doch ich wurde bald aufgeklärt. Denn nun rief sie entrüstet: „Gestern hat mich der P. (zur Erklärung: der P. ist so etwas wie der Schwarm des großen Mädchens) gefragt, was meine Eltern beruflich machen. Und was hätte ich sagen sollen? Meine Mama tippt viel in ihren Laptop und mein Papa in sein Handy? Ja, ich weiß, du bist Angestellte, aber das klingt ja auch nach nix. Und außerdem, was habt ihr für komische Berufe. Mir wäre es lieber ihr hättet einen echten, einen richtigen Beruf wie Bäcker, Ärztin, Gärtner…Etwas was ich auch erzählen könnte.“

Ich zog eine Augenbraue hoch und wollte gerade unsere Berufe verteidigen, doch auch dieses Mal war ich zu langsam. Denn das Mädchen hatte sich in Rage geredet und war sauer. Sie pfefferte in meine Richtung: „War ja klar, dass du mir da nicht helfen kannst. Na, vielleicht macht ihr ja beruflich irgendwann doch einmal etwas „Gscheites“!“ Mit diesen Worten rutschte sie vom Sessel und kritzelte in ihr Tagebuch, dass sie seit ein paar Tagen führte.

Auf die Frage ihrer Schwester was sie denn da gerade reingeschrieben hat, antwortete sie laut genug, damit ich es hören konnte: „Meine Mama ist fast Bestsellerautorin und mein Papa fast Präsident. Und dann sind wir fast reich. Und dann fahren wir ganz oft in Urlaub.“ Ich lachte laut auf.
Meine Mittlere wiegte den Kopf und fragte: „Und Mamaaa, wieviele Bücher musst du bestellen, dass du endlich Be-steller-autorin bist?“

Ich konnte nicht mehr aufhören zu lachen…doch die korrekte Antwort wäre wohl: „Viele, meine große, kleine Süße. Sehr viele“

Bild: Susanne Binder

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