Die uralte Tante Thea und ich

Alvas´Glitzerschuhbande

Ich habe etwas verloren. Und es muss, so glaube ich, im Badezimmer gewesen sein. Irgendwann zwischen dem ersten Job und dem dritten Kind. Vielleicht kann mir jemand helfen. Ich suche meine „optische Jugend“.

Denn ich stelle fest, immer öfter sieht man mir mein Alter brutal an. Und nur hin und wieder nicht. Je nach Schlaf und Zeit variieren Faltentiefe, Augenschatten und Wangenröte. Darum schreckt es mich wie schnell ich „alt geworden“ bin und mich dennoch nicht so fühle. Wie auch. Ich trage die gleichen Turnschuh wie mit 16, die gleichen Shirts wie mit 20 und Jeans wie eh und je.

Als ich das erste Mal für mich den Begriff „doppelt so alt“ in einem Gespräch mit unserer Babysitterin verwendete fiel ich fast in Ohnmacht. Als das Nachbarmädchen erzählte in ihrem Lieblingslokal sind neuerdings lauter „alte Knacker“, alle so um die dreißig wurde mir schwindelig.
Und erst neulich fand ich Bestätigung dafür, dass ich als Kind dachte in meinem jetztigen Alter (so um die Ende 30..oder so) ist man jenseits von Gut und Böse.

Ich fand in der Buchhandlung bei uns ums Eck ein Pixi-Buch aus meiner Kindheit. „Tante Thea “. Ich freute mich sehr, denn es war als kleines Mädchen eines meiner absoluten Lieblinge. Ich kaufte es für meine Töchter, wusste, dass die Große schon zu groß dafür war und die Kleine noch zu klein, aber die Mittlere war im richtigen Alter.
Am Abend beim alltäglichen „Vorleseritual“ schlug ich besagtes Buch vor und erzählte den Dreien zuerst worum es ging oder besser gesagt das, was mir in Erinnerung geblieben war: Eine sehr, sehr alte Tante in einem komischen, langen Kleid, mit altmodischem Knödel und Spitzenkragen kauft ein, um für ihre Nichte und ihren Neffen (eigene Kinder hatte sie offenbar nicht) eine Brezel zu backen. Denn die Tante hatte Geburtstag. Sie kochte Kaffee und zündete am Ende der Geschichte alle Kerzen auf der Brezel an. Auf der letzten Seite konnte man die unendlich vielen Kerzen zählen. Wie alt sie wurde wusste ich nicht mehr, aber viele, viele Jahre  und viele, viele Kerzen alt auf alle Fälle.

Die Kinder zeigten sich wenig begeistert, trotzdem durfte ich die Geschichte lesen. Noch während ich mitten im Vorleseakt steckte, dachte ich mir, dass die gute Tante zwar eine etwas unförmige Figur hatte und unansehnlich gekleidet war, aber doch faltenfrei  war und gar nicht sooooo alt aussah. Als dann die Seite mit den Kerzen kam, wunderte ich mich noch mehr. Auch die Kerzenanzahl sah weniger aus, als ich es in Erinnerung hatte. Meine Töchter zählten mit Begeisterung. Und während ich immer blasser wurde lachte die Große, die schon recht gut in Mathe war auf und rief: „Mama, deine urururururalte Tante Thea ist ja ein Jahr jünger als du.“
Als sie mein entsetztes Gesicht sah, reagierte sie sofort, drückte mich und meinte charmant:“ Na ja die Tante ist ja auch nicht älter geworden seit damals.“ Stimmt. Aber ich war nun älter als Tante Thea! Ein herber Schlag!

4 Kommentare zu „Die uralte Tante Thea und ich

  1. Ach meine Liebe, dafür hast Du schon sooo viele schöne und herrliche Dinge erlebt… glaub mir, die 4 davor tut nicht weh und solltest Du doch Angst haben, stehe ich Dir jetzt dann wahnsinnig gerne bei Seite – den ganzen Tag!

    Also ich meine natürlich dann wenn es irgendwann in ganz ganz ganz ganz vielen Jahren soweit ist 😬

    Gefällt 1 Person

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