Grundvoraussetzung Kinderbetreuung: Unfreundlichkeit und Antipathie!!

Alvas´Glitzerschuhbande

Schuster bleib bei deinen Leisten?! Also, ich bin ja kein Freund von diesem Spruch, weil er für mich beengend klingt, aber ich muss schon sagen: Es ist  doch einfacher, wenn man etwas mit einer gewissen Begeisterung macht.

Ich habe zum Beispiel in meiner Studienzeit versucht Zeitschriftenabonnements zu verkaufen. Per Telefon. Von Zeitungen, die ich ganz und gar furchtbar gefunden habe. Das Endergebnis nach drei Tagen, circa 265 Anrufen und keinem einzigen (!!) bestellten Abo war, dass mich eine sehr nette Vorgesetzte gebeten hat, mir doch etwas zu suchen was „etwas mehr meiner Bestimmung“ entsprach.

Aber ich habe damit niemandem geschadet (außer eventuell dem Umsatz der Zeitschrift). Doch wenn man etwas wie Kinderbetreuung macht, sollte man meiner Meinung nach zumindest eine Grundvoraussetzung erfüllen: Dass man Kinder in irgendeiner Form leiden kann.

Das ist aber nicht immer so. Lange Einleitung, lange Geschichte: Unlängst war ich frühstücken in einem sehr netten Wiener Lokal, in dem auch Kinderbetreuung während des Frühstücks angeboten wurde. Optimal! Die Vorstellung, in Ruhe zu essen und die Kinder bastelnd im selben Raum in einer Ecke zu wissen, ist einfach toll. Wir haben Freunde mitgenommen. Unsere Älteste hat sich angeboten selbst die Jüngste in die Bastelecke mitzunehmen und auf sie zu achten. (Damit sie nicht wie sonst den Kleber von den Fingern der anderen zu schlecken versucht, oder allen alles kaputt macht). Wir kamen in besagtem Lokal an, nahmen Platz und begannen zu bestellen.
Die Dame, die mit ihrem riesigen Bastelkoffer still in einer Ecke saß, sah nicht rasend freundlich aus. Aber manchmal täuschte mich der erste Eindruck ja. Meine Kinder nahmen an dem Basteltisch Platz und begannen sofort zu schneiden und zu zeichnen. Sie unterhielten sich mit den zwei fremden Kindern, die dazugekommen waren. Es wurde angeboten Tischsets herzustellen. Die eigenen Zeichnungen wurden dazu laminiert. Es war ungefähr 20 Minuten sehr ruhig und alle arbeiteten konzentriert, wie ich beobachten konnte.

Doch irgendwann wurde die Gruppe unruhig. Meine Mittlere schluchzte leise vor sich hin und meine Älteste redete auf sie ein. Dann nahm sie die Schwester bei der Hand und kam an den Tisch und berichtete mit Kopfnicken zu meiner Mittleren: „Die Frau will ihr Bild nicht einlaminieren, weil das Pferd von ihr auf dem Kopf steht und die Frau sagt, dass das so nicht gehört.“ Ich verschluckte mich an dem Bissen Semmel, den ich gerade im Mund hatte. Vermutlich hatten meine Kinder etwas falsch verstanden. Ich sah mir das tolle Bild an, auf dem das Pferd auf dem Kopf stand und von einem Mädchen getragen wurde. Offensichtlich hatte Pippi Langstrumpf bei meinem Sandwichkind großen Eindruck hinterlassen.
Ich schickte die Große noch einmal zu der Dame, mit der Bitte ein Tischset daraus zu machen. Beide Mädchen stapften davon. Ich beobachtete wie sie mit der Kinderbetreuerin diskutierten. Weinend kam daraufhin die Zeichnerin des Bildes wieder: „Jetzt hat die Frau zu mir gesagt, dass sie das schon machen kann, das Bild aber nicht schön ist.“ Mir reichte es. Ich stand gefährlich langsam auf, um mich zu sammeln und der Dame nicht sofort in meiner unverblümten Art (die manchmal zu viele Schimpfwörter enthielt) zu sagen, was ich von ihrer Art mit Kindern umzugehen hielt. Ich ging zu der Frau und sagte betont freundlich: „Ich fürchte hier liegt ein schreckliches Missverständnis vor. Mein Mädchen würde gerne ihre wunderschöne Zeichnung von Ihnen laminieren lassen und denkt, dass das aus irgendeinem Grund nicht geht. Brauchen sie vielleicht meine Hilfe dazu?“ Ich funkelte sie böse an und offensichtlich erkannte sie den Ernst der Lage. Sie riss mir die Zeichnung aus der Hand und jagte sie durch das Gerät.

Mein Kind war glücklich. Ich auch. Ich ging wieder an meinen Platz. Fünf Minuten später kam meine Große wieder an den Tisch und klagte: „Nun sagt die Frau, ich kann kein Bild mehr machen, weil die Blätter aus sind. Dabei liegt neben ihr noch ein ganzer Stapel.“ Ich war kurz vor dem Explodieren. Den Satz meines Mannes: „Bitte Schatz, vielleicht hat sie heute keinen guten Tag, oder ihr Wellensittich ist gestorben“, hörte ich nicht mehr. Ich stellte mich neben die Person und knurrte: „Könnten Sie mich kurz nach draußen begleiten?“ Als sie meiner Aufforderung nachkam und wir im Freien und weit weg von allen Kinderohren waren, hatte ich mich zum Glück soweit unter Kontrolle, dass ich nicht brüllte. Ich fragte sie sehr beherrscht einfach nur: „Warum zur Hölle arbeiten Sie denn mit Kindern, wenn Sie sie scheinbar nicht sonderlich mögen?“ Sie zuckte die Schultern und wirkte auf einmal sehr traurig. Dann antwortete sie: „Es war der einzige Job, den ich bekommen hatte. Aber ich mag Kinder tatsächlich nicht besonders. Sie machen mir Angst.“ Puh. Diese schonungslose Ehrlichkeit entwaffnete mich. Fast tat sie mir leid. Aber nur fast.
Ich bat sie, ab nun freundlich zu den Kindern zu sein und sich etwas zu bemühen. Und das tat sie dann, zumindest bei meinen Kindern.

Ein paar Wochen später war ich auf einem Geburtstagsfest, meine 4-Jährige abholen und wurde Zeuge eines Gesprächs der Gastgebermutter mit einem jungen Mädchen, das gerade sagte: „In dem Alter,..“ dabei wedelte sie in Richtung meines Babys, das ich am Arm trug, „da sind sie noch süß. Aber die,..“ nun deutete sie auf die kreischenden, 4-jährigen  Gastkinder, „..die sind einfach schrecklich.“
Dann begab sich das junge Mädchen zu der Gruppe Kinder. Auf meine Frage an die verstört dreinblickende Gastgebermutter, wer denn das gewesen sei, antwortete diese kopfschüttelnd: „Das ist die Kinderanimateurin.“ Echt jetzt???

Bild: Susanne Binder

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