Eine für alle? Oder eine für eine?

Alvas´Glitzerschuhbande 

Meine große Tochter legt im Moment großen Wert darauf, auch Zeit mit mir oder dem Papa alleine zu verbringen. Egal ob einkaufen gehen oder sonstiges, immer betont sie, dass sie ja immer ihre Schwestern im Schlepptau hätte.
Womit sie natürlich völlig recht hat und obendrein genau die richtigen Knöpfe drückt, mein schlechtes Gewissen zu aktivieren. Denn seit ich drei Kinder habe, habe ich ohnehin ständig das Gefühl nicht allen gerecht zu werden und immer eine zu vernachlässigen.

Also habe ich einen Plan erstellt, der vorsah mit jedem Kind Zeit zu verbringen und die anderen beiden irgendwo anders unterzubringen. Ein schwieriges Unterfangen, denn wem soll ich denn auf die Schnelle einmal zwei Kinder andrehen.

Aber gesagt getan. Als meine Mittlere unlängst auf ein Geburtstagsfest eingeladen war, bat ich die Nachbarin, eine Weile auf die Jüngste aufzupassen. Dann fragte ich meine Große spontan worauf sei denn Lust hätte und was sie gerne mit mir unternehmen wollte. Zuallererst fiel ihr nichts ein. Nach einer Weile, in der kostbare Minuten verschwendet wurden, einigten wir uns auf einen Kaffeehausbesuch.
Wir stapften los und in den ersten 30 Minuten sprudelte sie drauflos und erzählte mir enthusiastisch alle Geschichten und Sorgen, die sie mir in letzter Zeit immer schon mal unbedingt erzählen wollte. Als wir dann im Kaffeehaus angekommen waren, wurde sie auf einmal still. Auf meine Frage, ob denn alles ok ist, meinte sie: „Ja, klar. Nur schau, da gibt es den Schokokuchen, den meine Schwester so gerne isst.“
Ich nickte. „Und glaubst du, Mama, die N. macht das gut mit der ganz Kleinen oder weint sie schon?“ Auf meine Antwort, dass ich mir sicher bin, dass die Jüngste sehr viel Spaß mit N. hat und ganz bestimmt nicht weinte, zuckte sie mit den Schultern. „Vielleicht gehen wir doch lieber wieder nach Hause und nehmen meinen Schwestern etwas zum Naschen mit.“ Ich hielt den Kopf schief und betrachtete meine Tochter fragend. Sie zuckte mit den Schultern: „Ja ich weiß, ich wollte unbedingt mit dir alleine sein und jetzt vermisse ich die beiden irgendwie.“ Ich lachte.

Als ich der Fairness halber ein paar Tage später mit der Mittleren eine Stunde alleine verbrachte, dauerte es keine Sekunde, bis sie wusste was sie tun wollte. „Barbie spielen!“ Nach 5 Minuten, in denen ich mir ständig anhören musste, dass die große Schwester aber viel besser spiele und ich das nicht richtig mache, war klar, auch dieses Mädchen war eigentlich recht glücklich mit den anderen. Bei der Kleinsten brauchte ich das Experiment nicht weiterführen. Die war ja jeden Vormittag außer in den Ferien mit mir allein. Und da lief sie alle paar Minuten in ein Zimmer um die Namen der Schwestern zu brüllen.

Außerdem war sie, wenn die Großen dabei waren, viel besser gelaunt und freute sich jedes Mal wie ein Honigkuchenpferd, wenn wir sie von der Schule und dem Kindergarten abholten. Mein neuer Vorsatz lautet daher: Einmal im Monat werde ich die „Alleinetage“ weiterhin durchführen, um meine Kindern das Gefühl zu geben, wenn sie es wirklich wollen und brauchen, dann nehme ich mir die Zeit auch. Und die restlichen Tage werde ich mich in der Gewissheit wiegen, dass auch wenn sie streiten wie zwei Wikinger, sie sich lieben und vermissen sobald die anderen außer Sichtweite sind.

Bild: Susanne Binder

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