Alles langweilig?!

Alva´s Glitzerschuhbande 

Ich werde manchmal aus meinen Kindern nicht schlau. Da mach ich einen „Freizeitaktivitätenvorschlag“ und bin mir sicher, dass er bei allen dreien auf absolute Begeisterung trifft und dann wird er von der Großen gerade mal so angenommen. Klar, außer Prater oder andere Vergnügungsorte, die gehen immer. Also meine Große ist diesbezüglich schon etwas in die Pubertät gerutscht und reagiert so, wie ich es noch von mir als ungefähr 13-jährige in Erinnerung habe. Ich frage: „Gehen wir in den Gemeinschaftsgarten? Deine Freundinnen sind auch dort.“ Sie antwortet: „Nein, das war letztes Mal schon so langweilig.“ Erinnerungsfetzten tauchen bei mir auf, unterscheiden sich aber offenbar enorm von denen meiner Tochter. Denn ich seh in Gedanken die schreienden und lachenden Kinder durch die Sprenkelanlage laufen und das Trampolin malträtieren.

Auch das Versteckspiel unter den Bodendeckern habe ich noch in Erinnerung. Aber für meine Größte ist es offenbar fad gewesen. Nun denn. Auch das Schwimmen gehen hab ich als sehr lustig in Erinnerung. Immer wieder rutschten die beiden Großen ins kalte Nass und probierten die neuen Spritzpistolen aus. Aber als ich vorschlage, wieder ins Bad zu gehen, kommt ein genervtes: „Schon wieder ins Bad? Ohne Freundinnen mitzunehmen, mag ich das gar nicht. Dort ist es so heiß und fad.“

Gehen wir dann nach unendlichem Herummaulen und Herumgezicke trotzdem auf den Spielplatz, in den Garten oder ins Bad, wird meistens gelacht, gelaufen, gejodelt und auch angemerkt wie „super“ es hier ist. Aber das Kurzzeitgedächtnis meines großen Töchterleins scheint ihr am Ende des Tages einen Streich zu spielen zu wollen und speichert den Tag in der Erinnerung als „langeilig“ ab. Oh was macht mich das rasend. Obwohl ich es verstehen kann. Ich war ja auch eine Zeitlang so. Aber wie gesagt mit 13!! Und im Nachhinein betrachtet gehe ich mir sogar damit selber auf die Nerven.

Unlängst waren wir eingeladen zu einem klassischen Konzert. Reaktion der Großen: „Uaaahhh! Da geh ich sicher nicht mit! Klassische Musik ist so langweilig!“ Ok es handelte sich um Werke von Johann Strauss. Nicht unbedingt sehr schwere Kost und zusätzlich mit Balletttänzerin und Sängerin untermalt, also durchaus auch für Kinder geeignet. Ich bot an hinzugehen. Mit den zwei Großen. Sie dürften auch bis spät in die Nacht aufbleiben. Die Mittlere jubelte. Die Große überlegte. Hin und her. Und änderte ihre Meinung, ob sie es langweilig fand und nicht hin wolle, oder es doch wagen sollte ca. 20 Mal. Bis ich explodierte. Dann war sie beleidigt.

Als die Mittlere und ich uns in Schale warfen, entschloss sie sich gnädiger Weise mitzukommen. Wir hatten Ehrenkarten in der ersten Reihe. Und siehe da. Beide Kinder saßen mucksmäuschenstill, beobachteten die Musiker gespannt und es gefiel ihnen sichtlich sehr. Nach dem Konzert nickte die Große und stellte fest: „Na gut dass ich mitgekommen bin. Ich hätte ja wirklich was versäumt.“ Ich rollte die Augen. Ja, ich weiß es wird vorübergehen! Wie alle diese Phasen. Ein schwacher Trost, wenn man sich mitten drinnen befindet. Und die Kleineren die derzeit alles mit Begeisterung mitmachen und froh sind, dass wir nicht zu Hause bleiben, kommen ja vermutlich auch noch in diese Phase. Oder sie beginnen die Schwester zu imitieren, weil sie doch die „Coole“ ist. Und wenn diese „Esistallesschrecklichfad-Welle“ in der Pubertät noch einmal kommt dann erlebe ich es insgesamt satte 6 (!!!) Mal. Ist so ähnlich wie bei „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Hurra!

Bild: Susanne Binder

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