Das beste Versteck

Alva´s Glitzerschuhbande 

Verstecken spielen ist toll! Draußen, im Wald. Zu Hause? Na geht so. In unserer Wohnung sind die guten Verstecke schnell abgegrast und man muss sehr erfinderisch sein um nicht in der Sekunde entdeckt zu werden. Außerdem mag meine Mittlere immer nur Suchen. Als wir unlängst voller Tatendrang, aber wegen dem miesen Wetter drinnen waren, ging ich durch die Wohnung und scannte sie im Hinblick auf Verstecke und fand doch einige. Ich brachte das Baby im elterlichen Schlafzimmer zum Schlafen, somit fiel aber nun noch ein Zimmer weg und schaltete das Babyphone ein. Dann ging es los.

Als ich an der Reihe war, schob ich mich in Windeseile unter das Gitterbett im Kinderzimmer, musste aber feststellen, dass der Spalt zwischen Lattenrost und Boden ein wenig zu klein für mich und meine Länge bzw. Breite war. Doch meine Große zählte erbarmungslos immer nur bis 20, egal wie groß das Gelände war. Und ich hörte sie schon: Eckstein, Eckstein alles muss versteckt sein…und ca. zwei Sekunden später hörte ich zwei Paar Füße trampelnd ins Kinderzimmer stürmen. Dann war es ruhig, ich hoffte schon mit meinem Versteck durchzukommen, als ich die Stimme meiner Größten vernahm. „Mama, das ist jetzt aber nicht dein Ernst. Das Gitterbett berührt den Boden nicht mehr. Wir wissen, dass du darunter liegst.“ Mist, darum war das drunter liegen so anstrengend, weil ich das Bett mit dem gesamten Körper halten musste. Ich verließ den unbequemen Platz und blickte in zwei lachende Gesichter.

Als ich das nächste Mal dran war, lief ich ins Zimmer meiner Großen und zog den dunklen Vorhang ein kleines Stück zu. Dann stieg ich aufs Fensterbrett und machte mich ganz klein. Zugegeben ich bin ganz klein. Aber eben noch kleiner. Denn meine Überlegung war, wenn nur ein kleines Stück des Vorhanges zugezogen war, dachten die Mädis es wäre unbeabsichtigt und niemand vermutete mich an dem sonst sehr beliebten Versteckplatz. Es dauert nicht lange und ich hörte die Kinder rufen: „Wir kommen. Vögelchen pieps!!!“ Aber ich dachte nicht daran zu piepsen und mein ohnehin schwaches Versteck preiszugeben. Dann wiederholte sich Szene eins. Getrampel, gefolgt von Stille. Anschließend der ungläubig klingende Ausruf meiner Tochter. „Mama! Wir sehen deinen Hintern!“ Ich verdrehte die Augen. Na toll! Zu groß, zu fett. Beim nächsten Versteck hinter dem Kinderwagen am Balkon wusste ich selbst, dass ich hervorblinkte wie ein Elefant hinter einem Sonnenschirm. Ich musste das Ganze anders angehen.

Bei der nächsten Runde hatte ich einen Einfall. Ich ging bevor das Auszählen begann in die Küche und machte mir einen Kaffee. Dann teilte ich meiner Tochter mit, dass ich nicht piepsen wollte, egal wie oft sie rief. Denn ich hätte ein großartiges Versteck! Sie nickte erfreut. Herausforderung angenommen. Ich schickte Kind groß und Kind mittel ins Bad zum Einschauen. Schnappte das Babyphoneteil um Kind klein nicht zu überhören und rannte los. Jede Sekunde zählte. Ich zog mir in Windeseile Schuhe an, schnappte die Kaffeetasse und gerade rechtzeitig als eines meiner Kinder „Zwanzig“ schrie, zog ich leise die Haustür hinter mir zu. Ich setzte mich mit dem Häferl in der einen und dem Babyphone in der anderen Hand auf unsere Türmatte, trank gemütlich ein paar Schlucke und wartete. Von drinnen war Getrampel zu hören und Geflüster. Das „Vögelchen pieps doch mal“, das nach 10 Minuten zu hören war, ignorierte ich genauso wie das Rauschen des Babyphons, das nach Empfang suchte. Meine Nachbarin, die die Stiegen herunter kam musterte mich und zog eine Augenbraue hoch. Ich zuckte mit den Schultern und sagte lächelnd: „Wir spielen Verstecken.“ Sie lachte und zog von Dannen. Ich glaub sie kann sich noch erinnern, wie es mit ihren zwei Söhnen damals war.

Wäre ich schlau gewesen und hätte mich unbemerkt in die Wohnung zurück geschlichen, hätte ich diese Auszeit möglicherweise ein paar Mal wiederholen können. War ich aber nicht. Die Große, dicht gefolgt von der Kleineren, riss irgendwann die Haustür auf und brüllte: „Ich wusste es!! Jetzt komm aber schnell rein sonst sperr ich nächstes Mal die Tür zu. Wir sagten in der Wohnung und das ist geschummelt. Außerdem plärrt das Baby, irgendetwas kocht am Herd über und dein Telefon läutet ständig…..“ Luft holen! Ich erhob mich grinsend. Mann war das schön. Da am Gang. So allein und in Ruhe. Aber das Laute innen drinnen war mir noch lieber.

Bild: Susanne Binder

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