Das Barbiebuch

Alva´s Glitzerschuhbande 

Ich liebe das Vorlesen für meine Kinder. Als mein erstes Kind noch klein war, suchte ich die Bücher für sie aus. Ich ließ mir viel Zeit, um hübsche und auch inhaltlich und stilistisch „wertvolle“ Bücher auszusuchen. Auch die Bilder waren sehr wichtig.

Dann kam mein Mädchen in den Kindergarten und Barbie fand Einzug in unser Haus. Gleich mehrfach und in vielen Spielbereichen. So bekam mein Schatz zum vierten Geburtstag von einer Freundin ein Barbiebuch. Die Geschichten darin waren gänzlich sinnbefreit und auch wenn man viel Humor besaß, blieben die Geschichten einfach nur blöd. Aber das Schlimmste daran war nicht einmal der Inhalt. Nein, offensichtlich war die Originalsprache des Buches Englisch und um Kosten zu sparen wurde der Text vermutlich in eine Übersetzungsmaschine gegeben. Darum ergaben manche Sätze weder Sinn, noch waren sie grammatikalisch richtig. Aber, mein Kind liebte das Buch. Immer und immer wieder musste ich die „Fünf Minuten Barbie Geschichten“ lesen. Die nebenbei bemerkt auch niemand in fünf Minuten lesen konnte. Ich brauchte selbst wenn ich wirklich schnell las, so schnell, dass man kaum mehr etwas verstand, neun Minuten. Doch irgendwann konnte ich die Texte sogar auswendig. Ich las schon vollautomatisiert und berichtigte die Sätze.

Als ich es gar nicht mehr aushielt, ließ ich das Buch verschwinden. Nach ein paar Tagen Geraunze war es vergessen. Was war ich glücklich! Als dann mein zweites Kind auf der Welt war und die „fabelhafte Welt der Glitzerfeen“ entdeckte war das Buch bei mir längst in Vergessenheit geraten. Nicht so bei meinem größeren Mädchen. Sie erzählte ihrer mittlerweile ebenfalls „barbieinfiltrierten“ Schwester was für ein wunderbares Buch wir dereinst hatten. So lange bis diese es sich zum Geburtstag wünschte. Ich kramte das Buch, das ich einem Impuls folgend damals nur versteckt und nicht weggeworfen habe, wieder aus der Abstellkammer. Und der Zirkus begann von Neuem. Ich las die schrecklichen Geschichten wieder abends vor und selbst das große Töchterlein folgte gespannt. Mit dem großen Unterschied, dass es mir nicht mehr möglich war, „textsparend“ zu lesen und Sätze zu korrigieren, denn die Große konnte ja neuerdings lesen. „Mama, da hast du etwas ausgelassen. Mama, da steht aber etwas anderes. Mama, die Geschichte müsste viel länger sein…“ Hilfe! Das Buch ist schon so zerlesen, dass Seiten herausfallen, die immer wieder von meinen Töchtern liebevoll geklebt werden.

Wir haben ca. 150 Bücher und trotzdem schafft es genau dieses in regelmäßigen Abständen in die Endrunde zum Abendlesen. Aber eines habe ich mir versprochen, beim nächsten „Verschwinden des Buches“ gibt es keine Wiederkehr. Und das muss geschehen, bevor die kleinste im Barbiealter ist. Denn eine dritte Runde „Glitzerfeen“ übersteh ich beim besten Willen nicht.

2 Kommentare zu „Das Barbiebuch

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