Muttertag und die ehrlichsten Karten der Welt

Alvas Glitzerschuhbande 

Seit ich selber Kinder habe, habe ich zum Muttertag ein sehr eigenes Verhältnis. Ich liebe klarerweise die Gedichte, die selbstgebastelten Geschenke und auch die mit diesem Tag verbundene Geheimniskrämerei. Und meine Kinder lieben den Tag auch. Nicht zuletzt, weil es sich eingebürgert hat, dass wir gleich nach dem Frühstück, das meine Kinder gemeinsam mit meinem Mann zubereiten haben, in die Therme Oberlaa fahren. Warum, weiß ich eigentlich nicht mehr so genau. Also ein Tag, der Entspannung verspricht. Oder so ähnlich.

Ein Tag, der nicht schöner sein könnte, wenn, ja wenn ich mich nicht auch ein wenig fürchten müsste. Nicht viel, aber doch ein wenig. Vor dem Bild, das ich als Mama abgebe und das ich jährlich auf dem Silbertablett in Form eines Briefkuvertes präsentiert bekomme. Dazu muss ich ein wenig ausholen. Als meine mittlerweile Große noch in den Kindergarten ging, wurde jedes Jahr zum Muttertagsgedicht und zum selbstgebastelten Geschenk auch eine selbstverzierte Karte dazugegeben. Und die beinhaltete klarerweise Text, den mein Kind nicht selbst geschrieben hatte. Aber doch „selbst angesagt“. Und weil die Pädagoginnen sehr gewissenhaft und ehrlich arbeiteten, schrieben sie nieder was ihnen mein Kind zum Thema „wofür möchtest du deiner Mama danke sagen“ diktierte. Und das, ohne noch einmal nachzufragen oder das Gesagte zu beschönigen.

Im ersten Jahr stand also auf der Karte: „Liebe Mama, ich danke dir, dass du mir immer neue Faschingskostüme kaufst und sie mir einfach so schenkst“. Gut, das ging ja noch. Im darauffolgenden Jahr konnte ich schwarz auf weiß lesen: „Liebe Mama, danke, dass du immer für mich kochst, auch wenn es oft grauslich aussieht und nicht gut schmeckt. Und danke, dass du immer aufräumst, auch wenn du immer sagst, dass du nicht unser Dienstmädchen bist“.

Die für mich schlimmste Rüge bekam ich aber im Jahr in dem die Mittlere auf die Welt kam, denn da hatte ich am Anfang weniger Zeit für mein großes Töchterlein und die Regeln des Tages wurden ein wenig gelockert. Ich konnte das dann an der Muttertagskarte erkennen auf der stand: „Ich liebe dich dafür, dass ich so viel fernsehen und Süßes essen darf.“ Autsch! Ich konnte den Pädagoginnen mindestens zwei Wochen beim Bringen und Abholen meines Kindes nicht mehr in die Augen sehen.

Die Mittlere war, was Texte für Karten anging offenbar weniger gesprächig. „Mama, danke!“ stand auf ihrer Karte und als ich die damals Dreijährige fragte, wofür sie sich denn bedankte, schüttelte sie den Kopf und sagte: „Genau weiß ich das nicht.“

Ich bin also gespannt was heuer auf den Karten so alles zu lesen ist. Die Große schreibt sie ja mittlerweile selbst und die Mittlere ist momentan sehr beleidigt auf mich, weil ich ihr die Süßigkeitensackerln von den Geburtstagen immer wegnehme. Und das bevor sie alles aufgegessen hat.

Trotzdem, alle Karten sind besser als die, die mein Mann vor zwei Jahren zum Vatertag bekommen hat. Denn auf dieser stand: „Lieber Papa, Deine Große wünscht dir viel Glück. Danke dass du dir so eine liebe Frau ausgesucht hast. Meine Schwester & Mama lieb ich sehr.“ Na bitte! Ich nehm das mal als meine schönste Karte!

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