Liebeserklärung Stauraum

Alva´s Glitzerschuhbande 

Wenn die Wörter „viel Stauraum“ dieselbe Wirkung haben wie eine zart gehauchte Liebeserklärung und man beinahe dieselbe Vorfreude empfindet wie beim Bezug der ersten Wohnung. Und wenn die Frage: “Wie schaut denn das aus?“ der Frage: „Wie geht sich das aus?“ weicht, kann man davon ausgehen, dass mindestens ein Kind im Spiel ist. Die Anschaffungen mit Kind(ern) sind vor allem zu Beginn teuer und meistens riesig. Beim ersten Mädchen kaufte ich alles, in der Hoffnung es hilft für irgendetwas und weil ich dachte, das brauche ich. Unbedingt. Mein Mann schüttelte zwar stets den Kopf, wenn wieder irgendein „für die Entwicklung unseres Sprosses ach so wichtiges Teil“ in unserer Wohnung stand, lag oder hing, doch traute er sich nichts zu sagen. Besser gesagt nichts mehr. Einmal hatte er es versucht und es endete in Unverständnis, Wut und Tränen. Meinerseits natürlich. Darum hat er beschlossen, sich rauszuhalten.

Trotzdem hatte ich damals noch irgendwie den Überblick über die vielen Dinge und vor allem war die Platznot nicht so spürbar. Beim dritten Mädchen überwiegten nun aber plötzlich in unserer Wohnung die „raumfressenden Kindermöbeloderspieleteile“. Selbst vor dem Auto machten sie nicht halt. Kindersitze größer als die Sitze, Kinderwägen, Buggys, Spielsachen. Anfangs hatten wir noch einen Dreitürer später einen Siebensitzer. Wobei die Kindersitze auch hier nicht nebeneinander Platz fanden und ich hinten in der Mitte unsere Ausflüge genoss. Ich saß im Auto zwischen Kindern und Kinderteilen.

Im Wohnzimmer fühlte ich mich ebenso irgendwann beengt. Da wir unsere Wohnung sehr lieben, kam für meinen Mann und mich ein Umzug nicht in Frage. Das Buch „Mein Haus ist zu eng und zu klein“ fiel mir ein. Da jammert eine Frau, dass ihr Haus zu klein ist und ein weiser Mann rät ihr nacheinander ihre Tiere (Schwein, Kuh, Huhn..) ins Haus zu holen, und dann alle gesamt rauszuschmeißen. Und? Die Frau hatte das Gefühl viel Platz zu haben. Und da ja Wahrnehmung vom subjektiven Empfinden geprägt ist, wollte ich es der Frau gleichtun. Nicht mit Tieren das war klar. Die hätte ich sicher, wenn es nach meinen Kindern ging, nicht mehr rausschmeißen dürfen. Nein, ich stellte die Möbel um und holte an sich brauchbares, aber sperriges Zeugs, das keiner wollte in die Wohnung. Nur für kurze Zeit.

Ich blickte einige Tage später auf unser zugerümpeltes Wohnzimmer und war stolz auf mich. Teil eins hatte ich mit Bravour gemeistert. Meine Kinder und mein Mann maulten zwar, weil alles so vollgestellt war, aber das war schließlich Teil des Planes. Ein paar Wochen und dann wollte ich mit dem „Rausschmeißen“ anfangen. Ich schaute auf eine riesige Gehschule und einen Stubenwagen für die Kleinste. Einen Luftwäscher für die Gesundheit. Ein E-Piano für die zukünftige Musikausbildung unserer Kinder. Drei Wäscheständer, zwei davon neu und schon beladen. Ein leeres Regal. Das alles war zusätzlich zu dem schon bestandenen Mobiliar gekommen. So und nun musste ich nur noch abwarten. In der Zwischenzeit benutzte ich die Wäscheständer, wo ich sie doch schon da stehen hatte. Meine Töchter erfreuten sich am Klavier. Das Baby spielte gerne in der Gehschule und schlief gerne im Stubenwagen. Der Luftwäscher machte die Luft sehr angenehm und das Regal war nur einen Tag ein leeres gewesen. Wir gewöhnten uns nicht nur an die Dinge, wir konnten sie uns plötzlich nicht mehr wegdenken. So viel also zu meinem Plan. Das Rausschmeißen musste warten. Aber wenn wir diese Dinge dann irgendwann aus der Wohnung verbannen, dann haben wir richtig viel Platz.

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